Dab
von Fernand Hörner
22.11.2021

Eine Geste in Hip-Hop, Sport, Computerspiel und Social Media

Der Artikel widmet sich dem Zusammenhang zwischen einer zunehmend mediatisierten und globalisierten Welt und der Körperlichkeit. Im Film „Matrix“ (1999, Regie Lilly und Lana Wachowski) leben die Menschen in einer kompletten virtuellen Simulation. Ihrer echten Körper sind sie sich gar nicht mehr bewusst. Diese dienen lediglich als Energiequelle für eine künstliche Intelligenz, welche die komplette Menschheit versklavt hat und sie mit der virtuellen Welt der Matrix abspeist. Der Punkt, auf den es mir hierbei ankommt, ist: Hier, wie in vielen anderen posthumanistischen Zukunftsszenarien, stellt sich technischer Fortschritt als das Ende der Körperlichkeit dar. Im Gegensatz dazu möchte dieser Artikel fragen, inwieweit sich körperliche Praktiken durch digitale Kommunikationsmedien ändern. Das heißt, dass Körperlichkeit eben nicht durch digitale Medien ersetzt wird, sondern vielmehr eine noch stärkere Bedeutung erlangt. Der Artikel konzentriert sich dabei nicht auf avancierte Formen künstlicher Intelligenz wie bei „Matrix“, sondern auf allgemein zugängliche Social-Media-Kanäle, wie etwa YouTube.

Die Frage nach den körperlichen Praktiken und ihrer Mediatisierung wird exemplarisch anhand einer einzelnen Geste untersucht, die man vielleicht bei Kindern schon einmal gesehen hat.

Dab-Vermessung[1]

Was hat diese Geste mit Medienwissenschaft zu tun? Dies wird anhand einer kurzen Genealogie dieser Geste skizziert. Ich werde, ausgehend von möglichen Ursprüngen, die weit verzweigte Karriere dieser Geste nachzeichnen und versuchen, diese, wenn auch nicht so exakt wie in der Skizze, nachzumessen. Von wo und über welche Umwege kommt diese Geste schließlich im heimischen Wohnzimmer an? Nach ein paar medientheoretischen Vorüberlegungen werde ich den Ursprung des Begriffes, die Rolle von Musikvideos, Fußball und Computerspielen beschreiben.

Convergence

Mein Ausgangspunkt ist, dass diese Geste des Dab in einem Spannungsfeld zwischen digitalen und analogen Zuständen, zwischen Medien und Körperlichkeit steht. Dies möchte ich mit Harold Jenkins ‚Konvergenz‘ nennen. Jenkins definiert Konvergenz bzw. engl. convergence in Bezug auf die Medieninhalte als „word that describes technological, industrial, cultural, and social changes in the ways media circulates within our culture. […] Media convergence refers to a situation in which multiple media systems coexist and where media content flows fluidly across them.“[2]

Einen Aspekt dieser Definitionen gilt es hier zu präzisieren: die Frage nach den Veränderungen, welcher dieser Begriff beschreibt. Jenkins spricht in diesem Kontext auch von den „interstices between old and new media“, also den Zwischenräumen zwischen alten und neuen Medien. Auch wenn er damit die veränderten Kommunikationsstrukturen durch Social Media meint, möchte ich dies gerne erweitern auf die Unterscheidung zwischen realen Körpern und Handlungen einerseits und ihrer mediatisierten Form andererseits.

Eine verbreitete Mediensystematik kategorisiert Medien nach Anzahl und Leistungsvermögen der benötigten Apparate. Primärmedien benötigen keine technischen Apparate, Sekundärmedien wie das Buch einen Apparat, in der Regel zum Senden, und Tertiärmedien wie fast alle elektronischen Kommunikationsmittel zwei Apparate, einen zum Senden und einen zum Empfangen. Demnach spielt sich die Konvergenz unserer Geste zwischen Primärmedien und Tertiärmedien ab. In Fortführung der historisch ersten Primärmedien, des Theaters oder des Marktplatzes, fungiert heute der Schulhof, der Spiel- oder Fußballplatz als ein Primärmedium. Es ist ein organisierter Kommunikationskanal, durch den man sich eines Publikums gewiss sein kann. Musikvideos im Internet, Fußballberichterstattung im Fernsehen oder Computerspiele tragen dabei zur tertiärmedialen Verbreitung der Geste bei.

Wichtig ist aber zu bedenken: Auch wenn eine primärmediale Geste durch Aufzeichnung in ein digitales Tertiärmedium konvergiert, zum Beispiel vom Primärmedium Fußballstadion in den heimischen Fernseher, verbleibt diese dort nicht. Vielmehr wird sie erneut in einem neuen Primärmedium, wie dem Pausenhof kommuniziert. Jenkins selbst spricht auch vom „migratory behavior“, also dem beständigen Wandern der Mediennutzern zwischen unterschiedlichen Medien.[3]

An dieser Stelle ist es erforderlich, zwei viel diskutierte Begriffe zu kommentieren: In der Medienwissenschaft wird zwischen ‚mediation‘, deutsch ‚Vermittlung‘, und ‚mediatization‘, deutsch ‚Mediatisierung‘, unterschieden. ‚Mediation‘ bezieht sich allgemein darauf, dass alle Kommunikation medial geprägt ist. Auch hier wird ja selbst der Pausenhof in diesem Sinne als Primärmedium aufgefasst. ‚Mediatization‘ wiederum bezeichnet die zunehmende tertiärmediale Prägung von Kommunikation, also eine zunehmend auf technischen Apparaten basierte Kommunikation. Als ein wichtiger Aspekt dieser Mediatisierung erweist sich das Phänomen der Digitalisierung, das auch jenseits der Medienwissenschaften in vielen Fachdisziplinen und ökonomisch-politischen Feldern zu einem immer dominanteren Diskurs wird.

Anders als der Begriff ‚Digitalisierung‘ es suggeriert, zeigt sich aber beim Dab, dass es keine einheitliche Bewegungsrichtung vom Nicht-Digitalen zum Digitalen gibt. Also in unserem Fall von der körperlichen, nicht-digitalen Geste hin zu einer digitalen Aufzeichnung und Weiterverarbeitung. Mit ‚Konvergenz‘ ist vielmehr gerade ein fortlaufender, sich ständiger überkreuzender Prozess in beide Richtungen gemeint. Auch Jenkins betont, dass Konvergenz keine festgelegte Stoßrichtung hat: „Convergence is understood here as an ongoing process or series of intersections between different media systems, not a fixed relationship.“[4]

Wichtig ist hier, dass ‚Digitalisierung‘ eben nicht die eindimensionale und unidirektionale Überführung von Analogem ins Digitale meint, sondern eine nie abgeschlossene Durchdringung zwischen digitaler auf der einen und gestischer oder auch oraler Wiedergabe auf der anderen Seite. Der Dab zeigt sich in Musikvideos, auf Konzerten, in Fußballspielen von weltweiter Bedeutung und mit eher lokaler Wichtigkeit auf dem heimischen Bolzplatz. Der Dab wird in allen seinen Formen in Social-Media-Kanälen geteilt, in denen Nutzerinnen ihre Interpretation aus dem Wohnzimmer, Fußballplatz oder heimischen Computerspiel filmen und teilen, wiederum imitieren etc. Der Dab erweist sich insofern nicht als Phänomen der Digitalisierung, sondern der Digitalität im Sinne eines Zusammenspiels von analogen und digitalen Medien.[5]

Eigene Abbildung[6]

Es ist kein Zufall, dass ich bei der Visualisierung der Geste als Konvergenz-Phänomen auf das Recycling-Symbol zurückgegriffen habe. Roman Marek verwendet diesen Begriff bei seiner Analyse der vielfältigen Variationen, welche ein spezielles Video auf YouTube erfahren hat.[7] Bei Marek geht es hauptsächlich um Parodien eines Videos, in dem sich ein Fan über die schlechte mediale Berichterstattung über Britney Spears beklagt. Bei unserem Dab zeigt sich: Die Videos werden nicht nur recycelt im Sinne von ‚wiederverwendet‘ und ‚parodiert‘. Die Videos werden auch in kleinste Elemente von wenigen Sekunden auseinandergeschnitten und wieder neu zusammengefügt. Allerdings ist die Idee von recycelbarer Kunst nicht neu, sondern stellt selber eine Form von Recycling dar. Es ist, in den Worten von Christoph Jacke und Eva Kimminich, „Kulturschutt“.[8] Denn bereits in Bezug auf die Literatur nimmt Jürgen Link eine Einteilung in elementare und elaborierte Literatur vor. Und elementar-literarische Elemente bezeichnet er als „Halbfabrikate“, die sich als „Rohstoffe“ bearbeiten lassen,[9] als Beispiel nennt er unter anderem Kollektivsymbole, Mythen oder Wortspiele. Insofern könnte man die recycelbaren Stoffe auch mit Link „Elementarteilchen“ nennen. Zu diesen Elementarteilchen gehören Text-, Bild- oder Videoelemente, oder eben auch Gesten.

Wenn Giorgio Agamben feststellt, dass Gesten und nicht etwa Bilder die Basis des Kinos darstellen,[10] so ließe sich im Sinne Links ein Kinofilm als Elaboration von elementaren Gesten hin zu einem Kunstwerk lesen. Anders als bei Link und Agamben, geht es hier aber um Gesten, die im Status des Halbfabrikats verbleiben. Es geht also nicht um die Frage, inwieweit sie zu größeren Einheiten elaboriert werden. Vielmehr, so mein Ausgangspunkt, verbleiben diese Gesten als unfertige Rohstoffe. Der Überbegriff für diese recycelbaren Einheiten – die Gesten, aber auch Phänomene wie Mareks Videoparodien – ist ‚Mem‘, englisch ‚meme‘.

Unter einem ‚Mem‘ versteht man eine einprägsame und einfache Kombination aus Bild, Bewegtbildern und/oder Text, welche von Internetnutzern aufgenommen, variiert und weiterverbreitet wird. Ein Mem besteht in der Regel aus bekannten Text- und Bildelementen, z.B. Ausschnitten aus Filmen oder Textzitaten. Diese werden beständig modifiziert und neu kombiniert. Beteiligte senden sich diese Meme auf speziell dafür vorgesehenen Websites zu, verändern sie, kommentieren sie, bekommen Kommentare auf ihre Kommentare etc.

Der Begriff ‚Mem‘ lässt sich mit Mieke Bal als „travelling concept“ beschreiben,[11] als ein Begriff, der durch verschiedene Wissenschaftsbereiche gewandert ist und unterschiedliche Bedeutungen angenommen hat. Zunächst wurde der Begriff Mem in den 1970er Jahren vom Evolutionsbiologen Richard Dawkins entwickelt. Analog zum Gen sollte ‚Mem‘ die kleinste kulturelle Einheit bezeichnen, die durch Kopie oder Imitation weitergegeben wird. Dessen Schülerin Susan Blackmore hat diese Idee noch weiter radikalisiert. Sie konzipiert Meme analog zum Gen als Einheiten, die sich durch den Menschen ohne dessen bewusstes Zutun weitergeben. Ein Ohrwurm wäre Blackmore zufolge ein Beispiel für ein Mem mit Selbsterhaltungstrieb, das ein Mensch quasi unwillentlich weiter in sich trägt.[12] Auch, so müsste man ergänzen, wenn sich das im Ohr eingenistete Mem nicht zwangsläufig weiterverbreitet.

Mit dem Aufkommen der digitalen Kommunikationsmedien wurde der Begriff wiederentdeckt und für die Phänomene der Social Media verwendet. Dabei hat sich die Forschung allerdings stark von dem deterministischen Konzept von Dawkins abgewendet. Pointiert gesagt: Die einzige noch bestehende Gemeinsamkeit zu Dawkins ist, dass der Membegriff selbst zu einem sich weiterverbreitenden Mem geworden ist. Ein Begriff wohlgemerkt, den die Medienwissenschaft nun anders umreißt. So definiert Limor Shifman Internet-Meme als „(a) eine Gruppe digitaler Einheiten, die gemeinsame Eigenschaften im Inhalt, in der Form und/oder der Haltung aufweisen; (b) die in bewusster Auseinandersetzung mit anderen Memen erzeugt und (c) von vielen Nutzern über das Internet verbreitet, imitiert und/oder transformiert wurden.“[13]

Drei Dinge gibt es hier zu a, b, und c zu ergänzen: Zu a) gilt es hier in Bezug auf die Gesten zu präzisieren, dass wir den Begriff ‚Haltung‘ wörtlich nehmen im Sinne einer gemeinsamen Körperhaltung. Zu c) ist natürlich festzuhalten, dass diese Transformation eben nicht nur über das Internet verläuft, sondern, wie bereits erwähnt, eben auch über primärmediale Orte wie den Pausenhof. Zu b) schließlich bleibt die Frage nach der „bewussten Auseinandersetzung“ zu klären. Denn Shifman formuliert in expliziter Abgrenzung zu Dawkins und Blackmore, dass diese Meme nicht unwillkürlich weitergegeben werden. Geschieht das Recycling also bewusst und nach welchen Kriterien? Ich werde erst am Ende noch auf Vor- und Nachteile und auch Sinn und Zweck dieses Recyclings zurückkommen. Dem Zeitgeist entsprechend möchte ich mich dabei auch der Frage widmen, wie nachhaltig diese Form des Recyclings überhaupt ist. Gibt es noch einen Grund für die ständige Variation bestehender Elementarteilchen, abgesehen von dem hehren Wunsch nach ressourcenschonendem Umgang mit neuen Ideen?

Der Dab als Geste. Genealogie und Pathosformeln

Ich möchte mir nun die Konvergenz der hier ausgewählten Geste, dem Dab genauer anschauen. Wie ist der Dab entstanden? Angesichts der beständigen Wanderungen fällt die angekündigte Antwort nach dem Ursprung des Dabs komplex aus. Sie lässt sich einteilen in zwei Fragen: Erstens nach der Form der Geste und zweitens nach der etymologischen Herleitung der Bezeichnung ‚Dab‘. Beide, Geste und Bezeichnung, soviel ist vielleicht schon zu erahnen, konvergieren miteinander und trennen sich allerdings mitunter auch wieder.

Zunächst aber noch zu einer kurzen Definition des Begriffes ‚Geste‘. Gesten möchte ich mit Vilém Flusser als Bewegungen des Körpers definieren, „die eine Intention ausdrücken“.[14] Flusser verdeutlicht dies mit folgendem Beispiel: „Wenn mir jemand in den Arm sticht und wenn ich mit einer Bewegung meines Arms darauf reagiere, ist das ein […] bedeutungsloser Prozeß […]. Doch wenn mir jemand in den Arm sticht und ich ihn mit einer kodifizierten Geste hochreiße, wird der Prozeß mit Bedeutung aufgeladen.“[15]

Gesten sind also symbolische Ausdrücke, die kulturelle Bedeutung haben. Kultursemiotisch gesprochen könnte man also sagen, Gesten sind nicht nur indexikalische Zeichen, die in direkter physikalischer Verbindung zu dem bezeichneten Sachverhalt (hier dem Schmerz) stehen, sondern symbolische, auf Arbitrarität und Konvention basierende Zeichen. Eine Armbewegung wird dann zur Geste des Dab, wenn wir ihr eine bestimmte Bedeutung zusprechen können. Flussers Argumentation weist Parallelen zu einem berühmten Beispiel der Kulturanthropologie auf, nämlich zu Gilbert Ryles und Clifford Geertzʼ Beschreibung des Augenzwinkerns. Eine schnelle Lidbewegung ist eben nicht unbedingt nur das Zucken eines trockenen Auges. Sie kann mehreres bedeuten: Ein heimliches Zuzwinkern als Zeichen eines geteilten Geheimnisses, die Parodie von jemanden, dessen Augen nervös zucken etc. Geertz betont, es sei Aufgabe des Ethnologen, in einer thick description, einer dichten Beschreibung, diese Symbolhaftigkeit zu erläutern.[16]

Im Sinne der dichten Beschreibung wird nun erst die Bewegung des Dabs beschrieben und dann die unterschiedlichen Bedeutungen, die dieser Bewegung zugeschrieben werden und sie zur Geste machen. Die Bewegung lässt sich wie folgt beschreiben: Ein Arm wird stark angewinkelt, mit dem Ellenbogen nach unten zeigend. Der ganze Körper wird in Richtung dieses angewinkelten Arms gebeugt und der Kopf in die Armbeuge gelegt. Der andere Arm deutet ausgestreckt in die gleiche Richtung nach oben.

Die Bedeutungszuschreibungen sind vielfältig: Dem Rapper Bow Wow zufolge habe die Bewegung die Bezeichnung ‚Dab‘ erhalten, weil sie ein stilisiertes In-Den-Arm-Husten nach Marihuana-Konsum darstellt.[17] Deswegen wurde der Entertainer Abdalla Al Shaharani, laut der Tageszeitung Independent, sogar für das Vollziehen dieser Geste verhaftet, weil es von der saudischen Polizei als Verharmlosung von Drogenkonsum aufgefasst wurde.[18] In der Tat wurde mit dabbing ursprünglich die Inhalation eines extrem THC-haltigem Öl bezeichnet, das aus Cannabis gewonnen wird. Auf YouTube gibt es unter dem Suchbegriff dab oder dabbing insofern viele Videos, die Haschisch-Konsumenten bei dieser Form des Drogenkonsums zeigen.[19]

Als andere Vorläufer der Armbewegung gelten japanische animierte Superheldenserien der 1990er-Jahre wie Power Rangers oder Dragon Ball Z, die in Japan als ‚Super Sentai‘ bezeichnet werden.[20] Jede dieser Superheldenfiguren hat dabei eine eigene typische Bewegung, die sie oftmals vor einem Kampfeinsatz, sozusagen als Ausgangshaltung und Pose einnehmen.

Superheldenfiguren: Super Sentai[21]

Ferner existieren noch eine Reihe anderer Ursprungsbehauptungen. Der Rapper Quavo der Band Migos betont, dass er die Geste zwar eingeführt habe, er sie aber nicht ‚Dab‘ genannt habe.[22] Andere sehen in Michael Jacksons Video Thriller einen ersten Dab avant la lettre oder lesen DAB als Akronym für ‚Diagonal Arm Bend‘, was eine technische Beschreibung der tatsächlichen Bewegung ist.

Diese retrospektiven Ursprungsbehauptungen in Bezug auf den Begriff oder die Geste als solche erzeugen eine Genealogie im Sinne Foucaults, bei der sich die Suche nach dem Ursprung in der rückwärtsgewandten Bewegung an einem Punkt verliert.[23] Dies gilt im Übrigen für alle Arten von Memen, bei denen sich weder Ursprung noch Urheber festmachen lassen. Eine rückwärts gerichtete Frage nach der Urheberschaft spielt in diesem Zusammenhang eine sehr viel geringere Rolle als die Frage nach der Häufigkeit des Recyclings. Vorwärts gerichtet lässt sich daraus schließen, dass der Dab zweifelsfrei ein globales Phänomen ist, das sich von Japan über Saudi-Arabien und Europa bis in die USA erstreckt.

Albrecht Dürer: Tod des Orpheus, 1494

Zunächst aber ein kleiner historischer Exkurs: Dürer setzt im obigen Bild die Erzählung von Ovid um, der zufolge die thrakischen Frauen Orpheus erschlagen, weil er Bacchus verschmäht. Orpheus hebt also die Hände, um sich zu schützen, die thrakischen Frauen, um den Prügel zu schwingen und der Putto in einer Laufbewegung. Auf den ersten Blick ähneln sich die Gesten dem Dab. Doch der Kontext auf der Bildebene ist ein anderer. Auf der Ebene der Bildrezeption ist dieses Bild allerdings relevant. Warburg führt dieses Bild in seinem Bilderatlas als ein Beispiel für den Einfluss der Antike auf die Darstellung des Menschen in der frühneuzeitlichen Malerei an.[24] Er wollte zeigen, wie Gesten, die bereits in Skulpturen der Antike zu finden sind, in der bildenden Kunst der Renaissance wieder auftauchen.[25] Die Idee Warburgs war die Bestimmung von Urworten der Gebärdensprache.[26] Dafür hat er versucht, bestimmte Pathosformeln zu entwickeln, und Dürers Gemälde, dem er auch einen eigenen Vortrag widmet,[27] nimmt er als ein Beispiel für den Vernichtungspathos. Ich führe dies nicht an, um zu sagen, dass der Dab in diese Kulturgeschichte der Pathosformel einzuordnen ist. Weder ist dem Dab dieser Vernichtungspathos zu eigen, noch eine der anderen Pathosformeln, die Warburg entwickelt.

Aber Warburgs These, dass emotionale Ausdrücke in physische „Formeln“ gebündelt aus der Vergangenheit auf die Gegenwart und bis in die Zukunft hineinwirken, soll auch hier bedacht werden. Mit dem Unterschied, dass ich die Geste nicht von der Antike bis in die Renaissance zurückverfolgen möchte, sondern nur einen Zeitraum von fünf Jahren, zwischen 2015 und 2020, ins Auge fasse. Die Feststellung, soviel vorweg, dass Gesten als Ausdrucksbewegungen einem kulturellen Wandel unterliegen, gilt auch für diesen kurzen Zeitraum.[28]

Dabei möchte ich mich auf drei Bereiche konzentrieren, bei dem diese physischen Formeln des Dabs besonders auffällig sind: HipHop-Musikvideos, Sport und Computerspiele. Im Sinne der Konvergenz überschneiden sich die drei Bereiche natürlich und der Dab nimmt unterschiedliche mediale Formen an.

Musikvideo. „Dabbinʼ goinʼ in the dictionary“

Im Kontext der populären Musik ist die Verknüpfung der beschriebenen Körperbewegung mit dem Namen Dab relativ eindeutig. Populär wurde die Bezeichnung ‚Dab‘ für diese Geste ab dem Jahr 2015 durch mehrere Musikvideos von Bands des Musiklabels Quality Control Music aus Atlanta. Hier wurde die Verbindung der Geste mit dem Namen ‚Dab‘ auch durch Songtitel wie „Look at my Dab“ von Migos oder „Dabb on Em“ von Big Will festgeschrieben, in deren Musikvideos eben diese Dab-Geste zelebriert wurde.[29]

Der Dab wurde so Teil der visuellen Inszenierung der musikalischen Performance. Der Rapper Fabolous nannte sich kurzzeitig in Dabolous um.[30] Expliziert wird der Wunsch nach Kanonisierung des Dabs im Song „Look at my dab“: Zitat „Dabbinʼ goinʼ in the dictionary“. Und in der Tat hat das Oxford English Dictionary den Begriff aufgenommen: „A small portion of cannabis oil or resin, or another drug in a highly concentrated form, that can be vaporized or burned and inhaled. A dance move or gesture, originating in hip hop and often performed as part of a celebration, in which one arm is bent at an angle across the upper chest while the other is fully extended parallel to the first arm, with the face turned towards the bent elbow.“[31]

Im Sinne der Konvergenz ist zu betonen, dass diese Gesten auch live auf Konzerten ausgeführt wurden, als Beispiel wäre das Lollapalooza-Festival 2017 zu nennen.[32] Der Dab wurde ferner auch in anderen Musikvideos im Rahmen der Tanz- oder Singperformance aufgeführt, etwa im Musikvideo zum äußerst populären Song I’m blue (da be dee) der Band Eiffel 65.[33]

Allerdings gibt es in Musikvideos ein ganzes Reservoir an weiteren konventionalisierten Gesten. Einerseits populäre Tanzstile, die aufgenommen werden, wie zum Beispiel bei Eiffel 65 neben dem Dab auch den shuffle dance[34] oder das Voguing bei Prince und Madonna.[35] Andererseits individuelle Bewegungen, sogenannte signature moves, wörtlich signierte Bewegungen, wie der Moonwalk von Michael Jackson. Was macht den Dab unter diesen mannigfaltigen Gesten und Tanztechniken so besonders und interessant? Wie kommt es, dass eine Tanzbewegung von Musikern aus einem kleinen Independent-Label aus Atlanta, so populär wird? Dies ist eine Frage, welche sich viele Wissenschaftler*innen anhand exemplarischer Internet-Phänomene fragen. Roman Marek fragt sich dies etwa in Bezug auf das Video „Leave Britney Alone“ und Lemor Shifman in Bezug auf das Musikvideo „Gangnam Style“, welches die Bewohner eines Reichenviertels in Seoul parodiert. Hierauf gibt es keine konkrete Antwort im Sinne einer Erfolgsformel für populäre Halbfabrikate. In Bezug auf den Dab ließe sich dies zumindest zum Teil mit seiner Konvergenz in populäre Sportarten erklären.

Sport. Zwischen Referenz und Reverenz

Schon in den Musikvideo „Look at my dab“ sind häufige Referenzen an Sportler zu finden, wie an den Football-Spieler Barry Sanders und Darren McFadden oder den Basketballer Michael Jordan. Und umgekehrt gilt auch: Der Dab aus den Musikvideos wurde häufig von Sportlern als Jubelpose übernommen. Und auch im Sport gibt es verschiedene Vorläufer der Jubelpose. Den bekanntesten Vorläufer entwickelte der jamaikanische Sprinter Usain Bolt; erstmalig 2008 bei den olympischen Spielen in Peking nach Gewinn seiner Goldmedaille. Diese Bewegung, die Usain Bolt selbst als signature move, also als Markenzeichen bezeichnet, trägt den Namen To Di World.[36]

Die Geste, die etwa auch Barack Obama nachgeahmt hat,[37] imitiert das Abschießen eines Pfeils und drückt sein pfeilschnelles Laufen, seine Zielstrebigkeit sowie seine Fähigkeit, ins Schwarze zu treffen aus. Das englische Wort ‚bolt‘ bedeutet ja Pfeil oder Blitz. Eva Bambach sieht hier im Sinne der Warburgʼschen Pathosformeln Parallelen zur antiken Darstellung von Zeus mit einem Blitz in der Hand.[38]

Bolt vs. Zeus mit Blitz

Bolt vs. Zeus mit Blitz [39]

Die Bedeutung des Worts ‚bolt‘ lässt darauf schließen, dass die Gleichsetzung mit der höchsten Gottheit vom Namensträger bewusst inszeniert wird. In jedem Fall passt der Name zu der Selbstüberschätzung, die Usain Bolt bewusst an den Tag legt. Der Name „To di world“, den Bolt seiner Geste gegeben hat, bedeutet „an die ganze Welt“ und zeigt bereits, dass Bolt sich der medialen Aufmerksamkeit als globaler Sprint-Star bewusst ist. Gleichzeitig verkörpert die Wahl des jamaikanischen Patois anstelle des US-Englisch auch die nationale Verwurzelung des Jamaikaners Bolt.

Dennoch sprechen zwei Dinge dagegen, diese Siegerpose von Bolt in die Reihe der Warburgʼschen Pathosformeln einzureihen. Erstens zeigt sich hier: Anstelle einer allgemein gültigen „Formel“ für eine Geste steht bei Bolt die Individualität im Vordergrund. Ähnlich wie bei den japanischen Superhelden geht es hier um Unverwechselbarkeit. Zweitens ist zu bedenken, dass antike Statuen die Sportler, nach meinem Kenntnisstand, nicht beim exzessiven Jubeln zeigen. Sportler wurden entweder bei der Ausübung ihrer Sportart präsentiert, wie der Diskurswerfer von Myron. Wenn sie explizit als Sieger markiert wurden, dann wurde dies in der Regel durch einen Siegerkranz ausgedrückt,[40] sie wurden mit Blüten und Blättern beworfen und erhielten eine Preisamphore oder im besten Fall eine lebensgroße Bronzestatue als Würdigung. Alles in allem geschah der Jubel eher passiv, man jubelte nicht, man ließ sich bejubeln.

Sicher ist: Ein antiker Sportler hätte sich ikonographisch sicher nicht an Darstellungen von Zeus orientiert, wie Bolt dies, Bambach zufolge, tut. Ein gestischer Größenwahn in Form einer Apotheose.

Aus heutiger Sicht lässt sich dies mit der zunehmenden Vermarktung des Sports erklären: Erfolgreiche Sportler – bestimmter medial präsenter Sportarten – inszenieren sich selber als Marke. Dazu gehören Werbeverträge, das exklusive Tragen bestimmter Sportartikel und eben auch eine bestimmte Bewegung als Erkennungszeichen, ein sogenannter „signature move“.

Ein weiteres Beispiel ist die Jubelpose des Fußballers Mario Balotelli im Halbfinale der Europameisterschaft 2012. Hier nimmt Balotelli explizit die Pose einer Statue ein. Im wörtlichen Sinne kann man sagen: Er setzt sich selbst ein Denkmal und er setzt sich selbst als Denkmal ein. Wenn es schon kein anderer macht.

Balotelli als Denkmal[41]

Zurück zum Dab. Nach Bolt übernahmen ab 2015 mehrere Sportler die Geste des Dabs aus den Musikvideos. Am 15.11.2015 verwendete der Footballer Cam Newton in den USA vermutlich das erste Mal den Dab beim Touchdown.

Im Fußball war es zuerst der französische Nationalspieler und Spielmacher von Manchester United Paul Pogba, der diese Geste ebenfalls ab 2015 populär gemacht hat. Beide variieren in ihrer Schnelligkeit. Cam Newton führt diese ganz schnell aus,[42] sodass sie seine Durchschlagskraft symbolisiert. Eine Reminiszenz an den pfeilschnellen Usain Bolt ist darin zu erkennen. Paul Pogba inszeniert diese eher langsam und expressiv, um seine Coolness zu unterstreichen.

Pogba[43]

Dem Fußballer Pogba und dem Football-Spieler Newton gemeinsam ist, dass sie damit eine erfolgreiche Aktion abschließen, ein Tor und einen Touchdown, und dass sie sich mit dem Dab direkt an das Fernsehpublikum richten. Die Spieler nutzen also die Unterbrechung des Spiels aufgrund ihres Torerfolgs, um Kontakt mit den Zuschauern im Stadion und vor dem Bildschirm aufzunehmen. Für einen kurzen Moment muss sich der Sportler nicht mehr auf das sportliche Geschehen konzentrieren, sondern kann sich direkt dem Publikum zuwenden. Im Football befindet sich der Spieler nach dem Touchdown ja bereits außerhalb des Spielfeldrandes und kommuniziert direkt mit den anwesenden Zuschauern und in die Kamera. Beim Fußball bleibt der Spieler nach seinem Torerfolg in der Regel auf dem Platz.
Insofern wirkt der Jubel Pogbas viel geplanter, die Möglichkeit der medialen Verwertung durch die Kamera wird von vornherein mitgedacht. Seine Freude wird sofort in eine theatrale und zitierfähige Geste überführt. Und natürlich wird auch offensichtlich, dass dies mit seinen Mannschaftskollegen abgesprochen und komplett choreographiert ist. Diese halten Abstand, lassen ihn seine eingeübte Geste ausführen, bis sie ihm dann selber gratulieren.

Pogba, der anders als der Footballspieler nicht direkt eine Kamera vor sich hat, dehnt vermutlich deswegen die Geste zeitlich aus. So bleibt Zeit für ein Heranzoomen der Kamera. Dann wiederum scheint sich Pogba für eine Sekunde in der Armbeuge zu verstecken. Indem er sich so kurz den Blicken der Zuschauer entzieht, macht er diesen Blick der Kamera erst sichtbar. Die vierte Wand des Spektakels des Fußballspiels wird mit einem Augenzwinkern kurz durchbrochen.

Walter Benjamin spricht im Zusammenhang mit dem Theater von Bertolt Brecht von der Ästhetik der Unterbrechung einer Geste. Auf der Bühne des epischen Theaters wird jeder Gestus als Zitat markiert. Gesten werden ‚gesperrt‘ wie der Setzer die Worte sperrt, so Benjamin. Manche erinnern sich vielleicht: Mit Sperren meint man das Auseinanderschreiben der Buchstaben eines zentralen Wortes, bevor es word gab. Auch im Dab von Pogba ist eine solche Sperrung im Sinne dieser Freistellung zu erkennen. Der Spielfluss ist unterbrochen und vor dem spontanen Jubeln mit den Kollegen wird ein Moment geblockt, um die Geste auszuführen. Man sieht buchstäblich, wie Pogba seinen Teamkollegen bedeutet, Distanz zu wahren, damit er eine freigestellte Bewegung vollziehen kann. Die Geste wird im Sinne Walter Benjamins dadurch als solche erkennbar und zitierfähig. Der Jubel wird tableauartig ausgestellt, nicht nur auf der Theater-, sondern auch auf der Sportbühne.[44]

Brecht selbst differenziert zwischen der Geste und dem Gestus als Kombination aus Gesten, Mimik und Aussagen, die man an andere richtet.[45] Für Brecht hat dieser Gestus eine sozialtypische Relevanz, er repräsentiert Gruppen, wie etwa den Fischverkäufer. Abgesehen davon, dass Pogbas Gestus als eine nonverbale Kombination von Mimik und Gestik und nonverbaler Kommunikation mit der Kamera zu sehen ist, wäre im Folgenden noch zu fragen, inwieweit auch Pogba und andere Dab-Jubler eine Sozialfigur verkörpern oder verkörpern möchten. Fest steht für mich jedenfalls, dass, ähnlich wie bei den Brecht’schen Schauspielern die Geste keine unbewusste Verkörperung wie etwa der Habitus darstellt, sondern eine bewusst inszenierte Verkörperung.

Durch diese Langsamkeit des Dabs ist dabei auch eine Ur-Formel der höfischen Reverenz zu erkennen, der Dab Pogbas erinnert an eine klassische Verbeugung vor einem König. Oder auch eine Verbeugung von Musikern im klassischen Konzert vor dem Publikum, welche mit der gebeugten Hand ihren Frack festhalten. Pointiert ausgedrückt: Pogba erweist eine Reverenz an das Publikum und eine Referenz an die Geste. In diesem Sinne präsentiert er sich als bescheidener Sportler, der es trotz Millioneneinkünften als Ehre empfindet, zur Unterhaltung des Publikums beitragen zu können.

Die Konvergenz zeigt sich beim Sportler-Dab dabei nicht nur im Nebeneinander von unmittelbaren Stadionerlebnis und Fernseh-Übertragungen, sondern auch in den vielfältigen Formen von Mashups dieser Dabs. Unter Mashup versteht man die Erstellung von neuen Medieninhalten in den Neuen Medien durch Rekombination bestehender Inhalte.[46] In diesem Sinne existiert eine Vielzahl von Zusammenstellungen, in denen User die Dab-Torjubel von Pogba, Newton und vielen anderen Sportlern mit Musik unterlegen und zusammenschneiden. Oftmals mit den DAB-Songs aus der Atlanta-Hip-Hop-Szene.[47] Ähnlich wie Musikvideos zeichnen sich diese selbst produzierten Clips durch das Fehlen von narrativer Kohärenz aus. Stattdessen beschreiben sie aus unterschiedlichen, Sequenzen mitunter auch a-chronologisch, eine Atmosphäre feierlicher Heldenverehrung. Anders als beim Musikvideo ist die Synchronisation von Bild und Musik dabei oftmals viel weniger aufwendig inszeniert.

Ferner zeigen diese Mashups auch prominente Persönlichkeiten, die den Dab machen. Etwa Hilary Clinton, der in der Ellen DeGeneres Show von dem Journalisten Vladimir Duthiers suggeriert wird, sie solle nach erfolgreichen Handlungen, etwa dem Unterschreiben eines Vertrages, den Dab machen. Zudem nehmen auch User ihre eigenen Dabs auf und teilen sie auf den Plattformen, oftmals auch als Abschluss einer erfolgreichen Handlung wie dem Bottle Flip, bei dem versucht wird, eine Flasche so zu werfen, dass sie auf dem Kopf stehen bleibt. Gelingt dies, wird dies mit einem Dab beendet.

Screenshot aus Giphy[48]

Das ausgewählte Beispiel stammt von der Internetseite giphy.com. Dies ist im Übrigen auch die Quelle, auf die der Messenger-Dienst WhatsApp zurückgreift. Das heißt, ich kann mit meinem Smartphone längst nicht nur Text-, Sprachnachrichten und Smileys und andere Symbole verschicken, sondern auch sog. Gifs, darunter eben auch kurze, gefilmte Gesten. Gesten sind also längst auf dem Niveau der Sprache angekommen, sie sind zu einer eigenen Ausdrucksform geworden. In einer kurzen Schleife von 1-2 Sekunden läuft immer wieder die gleiche Geste ab. Dies erklärt vielleicht auch, warum Pogba den Dab mehrmals wiederholt. Auch bei WhatsApp kann ich nach bestimmten Gesten wie den Dab suchen: Hier finde ich, wenn ich Dab eingebe, ein ganzes Reservoir an zitierfähigen und weiterverwendbaren Gesten. Vorausgesetzt diese Geste hat, wie der Dab, einen Namen bekommen. Erst durch Namensgebung werden Gesten indexikalisierbar und so ist ein großer Marktplatz von Ideen entstanden, wo Filmzitate, persönliche Videos und andere in Elementarteilchen zerlegte Aufnahmen zirkulieren können. Ganz im Sinne der Konvergenzkultur als persönliche Textnachricht, Beitrag auf einer Homepage oder auch als Teil einer PowerPoint Präsentation wie hier.

Computerspiele. Vom Dab zum Deppen

Der Übergang zum dritten Bereich nach Musikvideo und Sport, also den Computerspielen, ist fließend. Die erste Konvergenz besteht in dem offiziellen Fußball-Computerspiel „Fifa“. Dieses Spiel wird jedes Jahr vor dem Start der nächsten Fußballsaison neu aufgelegt. Die Spieler treten gegeneinander oder gegen den Computer in einem höchst realistischen Fußballspiel an. Dazu gehört auch eine möglichst getreue Wiedergabe von bekannten Spielern, natürlich samt ihrem persönlichen Torjubel. In „Fifa 18“ jubelt Pogba darum mit dem Dab.[49]

Umgekehrt ist auch zu bedenken, dass viele Fußballer selbst bekennende Spieler von „Fifa 18“ oder auch „Fortnite“ sind. Dieser Torjubel wird dann wiederum von den Kindern auf den Pausenhöfen übernommen und imitiert. Da meine Kinder selber kein „Fifa“ spielen, wurde ich des Öfteren von ihnen gefragt, wie denn etwa Lionel Messi oder Christiano Ronaldo jubeln. Nach einer ersten Internetrecherche lässt sich zu dieser Frage festhalten: Je extrovertierter der Spieler seinem Ruf nach ist, desto exzessiver und strenger choreographiert sein Torjubel.[50] Ronaldo etwa zieht sich vor Freistößen die Sporthose bis unter die Achseln und jubiliert mit einem Sprung, der mit nach unten gestreckten Armen und einem lauten „Si“-Schrei endet, andere imitieren den Hammerschlag von Thor oder rühren pantomimisch Babybrei etc.

Grundsätzlich lässt sich feststellen, je stärker die Sportart kommerziell ausgewertet wird, also je präsenter sie auch in den Massenmedien ist, desto ausgefeilter der individuelle Jubel. Dies zeigt sich im diachronen und im synchronen Vergleich. Im synchronen Vergleich fällt auf, dass, wenn man im Rahmen der olympischen Sportarten bleibt, die Jubelposen eines Usain Bolts weitaus ausgefeilter sind als etwa bei Sportarten wie Judo, zu der es bereits eine 2008 erschienene Studie zu den Jubelposen gibt.[51] Dies verwundert nicht, ist doch der 100-Meter-Lauf die Königsdisziplin bei Olympia und wird als besonderes mediales Highlight präsentiert.

Zum diachronen Vergleich zeigt sich etwa am Beispiel Tennis, dass nur in Hochphasen der medialen Präsenz des Tennissports in Deutschland eine Geste wie die Becker-Faust allgemein bekannt werden konnte. Am deutlichsten wird dies aber beim zunehmend stärker mediatisierten Fußball. Diese wachsende Inszeniertheit zeigt sich auch innerhalb des Fußballs im Vergleich zu früheren Torjubeln. Gerd Müller etwa, der Bomber der Nation, rannte mit erhobenen Armen auf seine Mannschaftskollegen zu,[52] Maradona nach dem sog. Tor des Jahrhunderts bei der WM 1986 zur Eckfahne zu den Fans. Hier richtete sich der Torjubel noch hauptsächlich an die Mannschaftskollegen oder die Fans im Stadion.

Torjubel Maradona und Gerd Müller[53]

Auch der Vergleich zum medial deutlich weniger stark präsenten Frauenfußball zeigt, dass (mir zumindest) kaum weibliche Fußballerinnen bekannt sind, welche den Dab oder einen anderen speziellen Torjubel zelebrieren. Dies ist ein weiteres Indiz, dass die Choreographisierung eng mit der immer stärkeren Mediatisierung des Fußballs zusammenhängt. Als Ausnahme ist hier die Jubelpose der US-Fußballerin Megan Rapinoe zu sehen. Aufgrund ihrer starken Kritik an Donald Trump und der folgenden Replik Trumps, wurde ihre Jubelpose mit ausgebreiteten Armen zum politischen Statement. Anders als Gerd Müller, der seine Arme gerade hochstreckt, wirkt diese Geste wie eine theatralische Einladung an die Zuschauerinnen zum Hinschauen.

Triumphatischer Jubel von Megan Rapinoe[54]

Aber auch diese Pose entstand im Kontext einer erhöhten medialen Aufmerksamkeit durch die Fußballweltmeisterschaft. Je ökonomisierter der Sport also ist, desto choreographierter fallen seine Gesten aus. Dass die Anwesenheit von Kameras nicht nur implizit, sondern auch explizit bestimmte Choreographien einfordert, zeigt sich exemplarisch am Beispiel Franck Ribérys, bei der er explizit zu einer zitierfähigen Jubelgeste aufgefordert, was er sehr wörtlich nimmt und „Jubel“ in die Kamera ruft.

Gleichzeitig konvergieren diese durchökonomisierten Gesten wieder in den alltäglichen Pausenhof. Konvergenz und Weitergabe der Gesten sind dabei auch von kreativen Missverständnissen geprägt, wie sie etwa George Lipsitz für populäre Musik beschreibt, wenn einzelne Posen („postures“) ohne Kenntnis des kulturell-historischen Kontext weitergeführt werden.[55] Konkret in Bezug auf den Dab (basierend allerdings nur auf eigener empirischer Beobachtung), zeigt sich dies, wenn die Geste des Dabs mit der Bezeichnung ‚Depp‘ verschmilzt: In der Klasse meines Sohnes etwa herrscht die Auffassung, den DAB zu machen, bedeute, dem anderen zu bedeuten, er oder sie sei ein Depp. Die Kinder jubeln also nicht nur über ihren Erfolg, sondern verspotten auch ihren Gegner.

Diese Anekdote soll zweierlei zeigen: Kritisch könnte man erstens sagen, sie haben den neoliberalistischen Geist des Konkurrenzkampfes, der aus dieser Geste spricht, auf ihr Feld übertragen. Man muss Leistung zeigen und die anderen ausstechen. Zweitens erkennt man an diesem Beispiel aber auch, dass insbesondere kleine Kinder, die noch nicht gut genug lesen oder im Internet recherchieren können, dennoch durch Mimikry oftmals ohne Hintergrundwissen die Geste imitieren. Torjubel und Wissen um den Dab wird von ihnen eben nicht zwingend durch Internetrecherche erworben, und es muss auch nicht zwingend Zugang zu Computerspielen geben. Es reicht oftmals der mündliche Austausch und das Imitieren anderer Kinder.

Dies zeigt sich auch in bestimmten Kinderreimen, wie „fang mich doch du Eierloch“, die seit mehr als hundert Jahren in den Kindergärten mündlich weitergegeben werden. Was umso erstaunlicher ist, da eine Generation von Kindergartenkindern ja nur 3-4 Jahre umfasst. Viele Aspekte dessen, was etwa Walter Ong als Bestandteil oraler Kulturen identifiziert, findet sich also direkt vor unserer Tür im Kindergarten wieder. Der Dab als Geste ist dabei nicht nur Ausdruck oraler Kultur, sondern ein Phänomen audiovisuell unterstützter Oralität.
Ong beschreibt eine für die Massenmedien typische sekundäre Oralität, bei der Oralität auf Basis von Schrift, etwa dem Skript für einen Film re-inszeniert wird. In Bezug auf die Gesten im Pausenhof könnte man hier von einer besonderen Form sekundärer Oralität, der audiovisuellen Oralität, sprechen, in der Oralität nicht auf Basis von Schrift re-inszeniert wird, sondern auf Basis audiovisueller Medien. Dabei werden, wie von Ong beschrieben, im Sinne der oralen Weitergabe auch irritierende Informationen ausgeblendet und Dinge additiv oder aggregativ zusammengeführt.[56]

Abgesehen von dem Computer-Fußballspiel Fifa hat das Spiel „Fortnite“ zur Popularität des Dabs beigetragen. „Fortnite“ war 2018 das meistgespielte Computerspiel weltweit.[57] In diesem von der Firma Epic Games entwickelten Kooperationsspiel muss ein Spieler Festungen errichten und Zombies bekämpfen, um zu überleben. Dabei trifft er im Spiel auch auf Figuren von anderen Spielern und kann im Team oder alleine gegen Feinde antreten. Die Besonderheit an diesem Spiel ist, dass die Figuren nach dem Töten eines Zombies oder einer anderen Figur diverse Jubeltänze vollführen. Neben vielen anderen Tänzen gehört dazu auch der Dab.

Dab-Skin aus Fortnite[58]

Das Prinzip des Spiels ist, dass sich Spieler und Spielerinnen gezielt bestimmte Gesten im Spiel kaufen müssen. Durch diese Ökonomisierung wird den eigentlich genealogisch verästelten Verzweigungen der Geste die Frage nach dem Urheberrecht der Gesten oktroyiert. Exemplarisch zeigt sich dies an einer Tanzbewegung, dem sogenannten ‚floss‘: Hier beanspruchte ein User, der sogenannte ‚Backpacker-Boy‘, die Urheberschaft gegenüber „Fortnite“. Der Computerhersteller profitiert von der Popularität ständig konvergierender Gesten und Tanzbewegungen und presst sie gleichzeitig in eine neoliberale Marktlogik. Dann wiederum aber wandern diese Gesten wieder in andere Bereiche, auch durch die computerspielenden Fußballer.

Der französische Stürmer Antoine Griezman beispielsweise wurde kritisiert, weil er beim Jubeln einen Tanz mit einem mit der Hand geformten L auf der Stirn gezeigt hat. Vorgeworfen wurde ihm dabei wohlgemerkt nicht, dass er dies vom Computerspiel „Fortnite“ kopiert, sondern dass er damit seine Gegner verhöhnt hätte, denn das L steht für Loser.

Griezman Loser-L[59]

Im Sinne der Konvergenzkultur übernehmen etwa Fußballspieler die im Computerspiel gezeigten Jubelgesten, um sie im Stadium aufzuführen, was wiederum übertragen und aufgenommen und von Usern weiterverarbeitet wird. Andere User filmen sich selbst beim Computerspielen, die sog. let’s play-Videos, oder filmen sich, wie sie die unterschiedlichen Tänze von „Fortnite“ nachtanzen, oft in einem Split-Screen, bei dem Computerspiel und User nebeneinander zu sehen sind. Auch diese Tanzbewegungen und Jubelgesten aus dem Computerspiel werden dann auf dem Pausenhof wieder imitiert und weitergegeben.

Dance-Challenge[60]

Zusammenfassen könnte man die Karriere des Dabs folgendermaßen: Rapper üben diese Geste bei Konzerten aus (primärmedial), filmen diese beim Musikvideo, Sportler imitieren die Geste im Stadion, dies wird gefilmt und im Fernsehen gezeigt, (Kinder imitieren es auf dem Pausenhof), User erstellen aus den Fernsehaufnahmen Recycling-Videos, der Computerhersteller benutzt die Geste für „Fortnite“, (Kindern imitieren auch diese auf dem Pausenhof), User filmen sich beim Computerspielen und der Imitation der Tänze auf „Fortnite“, andere User schauen sich dies an etc.

Abschließend bleibt die Frage zur Nachhaltigkeit. Das Recyceln von Rohstoffen dient bekanntermaßen dem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Wenn aber Gesten wie der Dab in Videos recycelt werden, spart dies eher keine Ressourcen, sondern es wird vielmehr eine Unmenge an Zeit und Strom benötigt.

Auch das Recyceln einer Plastikflasche verbraucht Strom, aber dort entsteht ein neues Produkt, eine neue Flasche, in welche man einen Inhalt füllen kann. Das Recycling von Gesten und anderen Memen dient allerdings nicht dem Transport von anderen Inhalten, wie das Recyceln einer Flasche dem anschließenden Transport von Wasser gilt. Vielmehr ist das Recycelte selbst der Inhalt. Warum also diese Art von Recycling, das nur sich selbst enthält und so eben auch selbst Ressourcen verbraucht?

Paul Watzlawick würde darauf antworten, man könne eben nicht nicht kommunizieren.[61] Es steht dann also nur noch die Frage nach der Motivation zu dieser Art von Nicht-Nicht-Kommunikation durch Gesten-Recycling im Raum.

Der Dab als Geste stellt sich als körperchoreographischer Kult dar, der, lose gekoppelt an verschiedene Medienformate, ständig migriert. Dem Dab kann sicherlich keine Langlebigkeit prognostiziert werden wie den Ur-Gesten, die Warburg beschrieben hat. Zumindest im Bereich Computerspiel und Sport ließe er sich aber als eine neuartige Pathosformel für die Selbst-Beweihräucherung beschreiben. Weitere Bedeutungsfacetten erhält der Dab durch ständige Wiederholung und Konvergenz, durch Imitation und Variation durch andere User, Musiker, Sportler, Computerspieleprogrammierer etc. Die Geste wird relevant, indem sie in eine Reihe von Vorläufern eingeordnet wird, denen Referenz und Reverenz erwiesen wird, kreative Missverständnisse sind dabei nicht ausgeschlossen.

Wichtig dabei ist der beständige Zustand der Geste als Halbfabrikat. Dies möchte ich abschließend mit einem Vergleich zu dem Tanzstil ‚Vogue‘ verdeutlichen. Dieser wurde, wie erwähnt, in einem äußerst populären Musikvideo von Madonna verwendet. Text, Musik, Kamera und natürlich die aufwendige Tanzchoreographie widmen sich dem Tanzstil. In den Worten Jürgen Links könnte man sagen, der Tanz wurde hier gekonnt und komplex elaboriert. Was auf der einen Seite Grund für den großen Erfolg des Musikvideos von Madonna war, stellte auf der anderen Seite bereits den Höhepunkt der Popularität des Tanzstils als dar. Madonnas Haupttänzer, Jose Gutierez Xtravaganza, spielt auch in der aktuellen Netflix Serie „Pose“ mit. Eine Serie, die im New York der 1980er Jahre spielt und diesem Tanzstil ein Denkmal setzt. Anders gesagt: Die Elaboration durch Netflix setzt dem Tanzstil in Hinblick auf seine Konvergenz einen krönenden Schlusspunkt. Nach dieser Musealisierung, so meine These, kann in punkto Elaboration nichts mehr kommen.

Daraus folgt umgekehrt für den Dab: Solange diese Geste ein Halbfabrikat verbleibt, in den Darbietungen ‚gesperrt‘ wird und zitierbar gemacht wird, solange die Geste offen für neue Kontexte und Bedeutungen bleibt, solange sie zwischen perfektionistischer Choreographie und spontaner Performanz oszilliert, solange sie sich im Sinne von Gilles Deleuze wiederholen lässt, ohne mit sich selbst identisch zu sein,[62] kurz: solange sie ein recycelbares Elementarteilchen bleibt, wird sie eine lebendige Geste bleiben.

 

Anmerkungen

[1] https://www.welt.de/sport/article159511103/Koennen-Sie-diese-Fussball-Rechenaufgaben-loesen.html
[2] Jenkins, Henry: Convergence culture. Where old and new media collide. Princeton 2008, S. 282.
[3] „[M]igratory behavior of media audiences who would go almost anywhere in search of the kind of entertainment experiences they want.“ Ebd, S. 282.
[4] Ebd.
[5] Stalder, Felix: Kultur der Digitalität. Originalausgabe. Berlin: Suhrkamp 2016, S. 11.
[6] Quellen: https://www.footyrenders.com/render/dab-render.png; erde https://www.psdgraphics.com/file/green-recycling-icon.jpg; https://fortniteskins.net/emotes/dab/
www.psd.graphics.com
[7] Marek, Roman: Understanding YouTube. Über die Faszination eines Mediums. Bielefeld: Transcript 2013.
[8] Jacke, Christoph; Kimminich, Eva; Schmidt, Siegfried J. (Hg.): Kulturschutt. Über das Recycling von Theorien und Kulturen. Bielefeld: Transcript 2006.
[9] Link, Jürgen/Hörisch, Jochen/Pott, Hans-Georg, Elementare Literatur und generative Diskursanalyse, München: W. Fink 1983, S. 9, 18; Link, Jürgen, Literaturanalyse als Interdiskursanalyse, in: Diskurstheorien und Literaturwissenschaft, hrsg. v. Jürgen Fohrmann/Harro Müller, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1988, S. 284-307, S. 286.
[10] Angerer, Marie-Luise: Das Medium der Geste. Unter Mitarbeit von Mediarep, Philipps Universität Marburg, Reinhold Görling, Timo Skrandies und Stephan Trinkaus: Transcript 2009.
[11] Bal, Mieke): Travelling Concepts in the Humanities: A Rough Guide: University of Toronto Press (Green College Lectures) 2002.
[12] Blackmore, Susan J., Die Macht der Meme oder die Evolution von Kultur und Geist, Heidelberg: Spektrum Akad. Verl. 2000 [Orig. mit einem Vorwort von Richard Dawkins], S. 103.
[13] Shifman, Limor, Meme. Kunst, Kultur und Politik im digitalen Zeitalter, Berlin: Suhrkamp 2014, S. 14.
[14] Flusser, Vilém, Gesten, Düsseldorf [u.a.]: Bollmann 1991, S. 7-8.
[15] Flusser, S. 17.
[16] Geertz, Clifford/Luchesi, Brigitte/Bindemann, Rolf, Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme, Frankfurt a.M: Suhrkamp 1983, S. 6.
[17] Wikipedia beschreibt die Geste mit den Worten „als ob man in die Armbeuge niesen würde“, https://de.wikipedia.org/wiki/Dab_%28Tanzfigur%29
[18] https://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/saudi-arabia-dab-arrest-singer-abdallah-al-shaharani-dance-move-onstage-taif-festival-anti-narcotics-a7885686.html
[19] https://www.lexico.com/en/definition/dabbing
[20] Bei der Figur Gohan. Vgl. den Kommentar von Razor Edge auf https://www.youtube.com/watch?v=GRpJk1uERKA. Ein anderer User weist daraufhin, dass eine Figur aus Spongebob, Squidwar bereits 2016 den Dab macht.
[21] https://www.youtube.com/watch?v=GRpJk1uERKA
[22] https://knowyourmeme.com/memes/the-dab
[23] Foucault, Michel, Les mots et les choses. Une archéologie des sciences humaines, [Paris]: Gallimard 1966, S. 27, Foucault, Michel, L’archéologie du savoir, Paris: Gallimard 1969, S. 80.
[24] Warburg, Aby M./Warnke, Martin/Brink, Claudia (Hg.), Gesammelte Schriften. Studienausgabe, Berlin: Akad.-Verl. 2003, Band 2.1: Der Bilderatlas Mnemosyne, S.4-5; 72-73; vgl. Wedepohl, Claudia: Von der „Pathosformel“ zum „Gebärdensprachenatlas“. Dürers Tod des Orpheus und Warburgs Arbeit an einer ausdruckstheoretisch begründeten Kulturgeschichte. In: Die entfesselte Antike. Aby Warburg und die Geburt der Pathosformel. Hg. v. Marcus Andrew Hurttig und Thomas Ketelsen. Köln 2012, S. 33-50, S. 33.
[25] Georges Didi-Huberman: Das Nachleben der Bilder. Kunstgeschichte und Phantomzeit nach Aby Warburg. Berlin 2010, S. 222-223, 213-214.
[26] Wedepohl 2021, S. 41.
[27] Verhandlungen der 48. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner in Hamburg …1905, Leipzig 1906, S. 55-60.
[28] Remky, Kirsten: Die Geste. Ein Phänomen universeller Botschaften durch Körpersprache, in: Christine Vogt (Hg.): Die Geste. Kunst zwischen Jubel, Dank und Nachdenklichkeit, Aust. Kat., Ludwiggalerie Schloss Oberhausen 23.9.2018 – 13.1.2019, Bielefeld/Berlin: Kerber 2018, S.19-28, S. 28.
[29] https://www.qcthelabel.com/about
[30] https://genius.com/8472038
[31] Oxford English Dictionary, https://www.lexico.com/en/definition/dab#h47097835587320
[32] https://www.youtube.com/watch?v=8AFrYwqk40o, 5:52.
[33] https://www.youtube.com/watch?v=U0fk5L1ifbo zitiert DAB 1:20, songlexikonblue_marshall in bearbeitet.
[34] https://www.youtube.com/watch?v=-bd9p3LPUzw
[35] Fernand Hörner: “Kiss (Prince and the Revolution)”. In: Songlexikon. Encyclopedia of Songs. Ed. by Michael Fischer, Fernand Hörner and Christofer Jost, http://www.songlexikon.de/songs/kiss, 04/2012; Anja Lynen: “Vogue (Madonna)”. In: Songlexikon. Encyclopedia of Songs. Ed. by Michael Fischer, Fernand Hörner and Christofer Jost, http://www.songlexikon.de/songs/vogue, 12/2019.
[36] https://www.youtube.com/watch?v=9M4zapxjhvI, https://i.kym-cdn.com/entries/icons/original/000/011/037/2e6.gif; https://knowyourmeme.com/memes/bolting-usain-bolts-to-di-world
[37] https://www.youtube.com/watch?v=9M4zapxjhvI
[38] Bambach, Eva: Olympia, Bolting und die Sicherung des Ruhms, in: Spektrum, 7.8.2012,
https://scilogs.spektrum.de/denkmale/olympia-bolting-und-die-sicherung-des-ruhms/, Zugriff 1.8.2019
[39] Statuette des Zeus mit Blitzbündel, 480 – 470 v. Chr. Olympia, Bronze, Archäologisches Nationalmuseum Athen; https://www.republicworld.com/sports-news/other-sports/on-this-day-usain-bolt-posts-his-first-100-metres-world-record.html.
[40] http://antikersport.uni-mannheim.de/Griechenland/leben05.html, Zugriff 31.7.2019. Leypold, Christina: Siegerstatuen, in: Heilmeyer, Wolf-Dieter u.a. (Hg.): Mythos Olympia. Kult und Spiele, München: Prestel 2012, S. 254-257.
[41] https://www.youtube.com/watch?v=MboFhu7kljU, 0:33.
[42] https://www.youtube.com/watch?v=A0mBLxiCUfI, 1:00.
[43] https://www.gala.fr/l_actu/news_de_stars/paul_pogba_devient_le_joueur_le_plus_cher_de_l_histoire_370837
[44] Walter Benjamin: Was ist das epische Theater? Eine Studie zu Brecht, in: ders.: Gesammelte Schriften. Hg. v. Rolf Tiedemann; Hermann Schweppenhäuser. Frankfurt am Main: Suhrkamp, Bd. II, 1991, S. 519-531, hier 521, vgl. Alexander Kuba: Geste/Gestus, in Fischer-Lichte, Erika; Kolesch, Doris; Warstat, Matthias (Hg.) (2005): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, Weimar: Metzler, S. 140.
[45] Brecht, Bertolt: Über den Beruf des Schauspielers. In: Ders.: Schriften zum Theater 4. Hrag. V. Werner Hecht. Frankfurt a. M. 1963, S. 7-68, S. 31-32.
[46] Gelke, Erik (2013): Mashups im Urheberrecht. Zugl.: Freiburg i. Br., Univ., Diss., 2012. S. 14-15.
[47] https://www.youtube.com/watch?v=zAmLInI_pS4 mit look at my dab (newton); https://www.youtube.com/watch?v=5mnyEkhQGcs mit dab on em (newton)
https://www.youtube.com/watch?v=J8Osuemn4wo Look at my dab (Pogba)
[48] dab und bottle flip: https://media.giphy.com/media/81VmvWFX41OBG/giphy.gif
[49] https://www.youtube.com/watch?v=lFN5KquqaxU, 1:11.
[50] Kai Havertz und Julian Brandt z.B. dabben nicht: https://www.youtube.com/watch?v=wPuL3Zkmxrs, 5:04.
[51] Matsumoto, David (2012): Evidence for a nonverbal expression of triumph. In: Evolution and Human Behavior 33 (5), S. 520–529. DOI: 10.1016/j.evolhumbehav.2012.01.005; Hwang, Hyisung C.; Matsumoto, David (2014): Cultural Differences in Victory Signals of Triumph. In: Cross-Cultural Research 48 (2), S. 177–191. DOI: 10.1177/1069397113510875; Hwang, Hyisung C.; Matsumoto, David (2014): Dominance threat display for victory and achievement in competition context. In: Motivation and Emotion 38 (2), S. 206–214.
[52] https://shop.11freunde.de/bilderwelt/momentaufnahmen/torjubel-mueller.html
[53] https://www.youtube.com/watch?v=hCOC1TS9A1I; https://www.youtube.com/watch?v=1wVho3I0NtU
[54] https://www.stern.de/neon/wilde-welt/gesellschaft/megan-rapinoe–jubelpose-der-fussballerin-wird-zum-anti-trump-meme-8776092.html
[55] Lipsitz, George: Time passages. Collective memory and American popular culture. Minneapolis, London: University of Minnesota Press 1990, S. 121.
[56] Ong, Walter J., Oralität und Literalität. Die Technologisierung des Wortes, Opladen: Westdt. Verl. 1987 [Orig. übersetzt von Schömel, Wolfgang], S. 42-43.
[57] https://de.wikipedia.org/wiki/Fortnite
[58] dab zitiert von fortinte https://www.youtube.com/watch?v=oe2cE-eVhtg
[59] https://bestwnews.com/sport/antoine-griezmann-pulls-take-l-celebration-firing-atletico-madrid-ahead-europa-league-final/
[60] https://www.youtube.com/watch?v=d6qiDMAOzTo, 2:47.
[61] Paul Watzlawick, Janet H. Beavin, Don D. Jackson. Menschliche Kommunikation. Huber Bern Stuttgart Wien 1969, S. 53.
[62] Deleuze, Gilles: Différence et répétition. 11. Aufl., Nachdr. Paris: Presses Universite de France (Épiméthée) 2008, S. 1-2.

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