»That’s so meta I love it omg«
von Martina Stemberger
23.01.2024

Fanfiction als Metafiktion

[erschienen in: Hanna Hamel/Eva Stubenrauch (Hg.): Wie postdigital schreiben? Neue Verfahren der Gegenwartsliteratur, Bielefeld 2023, S. 69-96]

1. Einleitung: Fanfiction, (Post-)Digitalität und Literaturtheorie

»Nie wurde so viel gelesen und geschrieben wie heute«, konstatiert die Autorengruppe Fiktion im Jahr 2013 in einer Deklaration zur »digitalen Zukunft unserer Literatur«.[1] Die Frage nach Verfasstheit und Verfahren einer postdigitalen Gegenwartsliteratur stellt sich auch mit Blick auf eine neue Breitenkultur des Schreibens. Gewiss kann das allseits eifrige Gekritzel im »immense cahier collectif« des Internets per se noch nicht als Literatur gelten;[2] und doch senkt diese alltägliche Schreibpraxis nicht nur die Schwelle zu wie immer gearteter literarischer Aktivität, sondern definiert zugleich Status und Grenzen besagter ›Literatur‹ neu. Heute kann in der Tat »[f]ast jeder […] seine Texte weltweit anbieten und sich über sie austauschen«;[3] auch der Amateurproduktion eröffnen sich vielfältige Wege zu nie dagewesener öffentlicher Sichtbarkeit und Präsenz: »Sollte es jemals eine klare Scheidung von Amateur- und Berufsschreibern gegeben haben, so ist sie nun vollständig zusammengebrochen«, wie Florian Cramer einen zentralen Aspekt postdigitalen Schreibens benennt.[4]

Mit ihrer für Krisenperioden charakteristischen Tendenz zur Diffusion des literarischen Feldes bestätigen bzw. befördern die jüngsten Pandemiejahre diese Transformation. Während des ersten Lockdowns verfolgt laut Umfrage »[u]n Français sur dix« ein persönliches literarisches Projekt;[5] von einem »big spike in submissions« berichtet die britische Literaturagentin Juliet Mushens,[6] in Indien kommen in kurzer Zeit Hunderte Coronawerke, oft von »first-time writers«, auf den Markt.[7] Sogar Selbstverlagsanbieter wie Kobo schreiten notgedrungen zur Selektion,[8] doch auch abseits editorialer Zwänge findet eine neue Fülle von »user-created media content«[9] ihr digitales Format.

Kaum ein anderes Segment kultureller Produktion illustriert diese Entwicklung so eindrücklich wie die Fanfiction, die Anfang des 21. Jahrhunderts eine »véritable explosion«[10] und in Coronazeiten einen alles Bisherige übertreffenden Hype erlebt. Ein massiver Traffic-Anstieg treibt die einschlägigen Plattformen im Frühjahr 2020 an ihre technischen Limits; Ende März kündigt das 2008 gegründete, international zweitgrößte Portal Archive of Our Own (AO3) entsprechende »emergency measures« an.[11]

Mehr denn je präsentiert sich Fanfiction im (post-)digitalen Kontext als produktions- wie rezeptionsseitig besonders niedrigschwellige »Literatur von unten«,[12] als »democratic genre«[13] bzw. als paradigmatische Form ›partizipatorischer Kultur‹,[14] bei allen Ambivalenzen, die der in der Community kontrovers diskutierte Mainstream-Turn der einstigen Subkultur mit sich bringt. Zwischen vorsichtiger Rehabilitation und drohender Rekuperation hat diese literarische Parallelkultur – »the fastest-growing form of writing in the world«, so Sheenagh Pugh bereits 2005[15] – längst für noch im Rahmen eines traditionellen Buchmarktes sozialisierte Leser:innen wie Autor:innen verblüffende Dimensionen angenommen. »Haben Sie schon einmal von Fan Fiction gehört? […] Harry Potter zum Beispiel. […] Das ist eine Riesensache – und die Erwachsenenwelt weiß nichts davon. Meine 13-jährige Tochter […] hat mehr Leser als ich!«, staunt Christoph Braendle, der über seinen Teenagernachwuchs die fabelhafte Welt der Fanfiction entdeckt.[16]

Heute ist die ob ihrer permanenten Fluktuation kaum exakt zu quantifizierende Fanfiction erst recht eine ›Riesensache‹: 2014 wird sie auf ca. ein Drittel allen Contents »about books on the web« geschätzt,[17] 2020 beziffert Deniz Çam das online verfügbare Repertoire mit »50 million free fanfiction stories«.[18] Anfang Januar 2023 erfasst allein das erwähnte Archive of Our Own 10.420.000 Fanworks aus über 55.300 Fandoms; die am häufigsten aufgerufene Harry Potter-Fic[19] bringt es auf 8.920.889 Lesezugriffe bzw. ›Hits‹ (MsKingBean89: All the Young Dudes, AO3, 02.03.2017).[20]

Auch wenn sich mittlerweile eine partielle Legitimation des »bastard child in the literary family«[21] abzeichnet, bleibt Fanfiction, nach wie vor »underval­ued by society and understudied by researchers«,[22] ein unsichtbares, von der Literaturwissenschaft vernachlässigtes »literarisches Massenphänomen«.[23] Diese Zurückhaltung ist umso frappierender, als eben Fanfiction – abgesehen vom bereits eine gewisse Aufmerksamkeit rechtfertigenden quantitativen Moment – trotz bzw. gerade in ihrer qualitativen Heterogenität eine Herausforderung für Literatur- und Kulturforschung darstellt. Fanfiction fungiert nicht nur als Dispositiv aus einer »position of cultural marginality and social weakness«[24] artikulierter Medien-, Geschichts- und Gesellschaftsreflexion, das sehr rasch und intensiv auf aktuelle Ereignisse reagiert (wie anlässlich der Coronapandemie oder des Ukrainekrieges zu beobachten);[25] als extrem dynamisches, fluides Genre wirft sie auch mannigfache literaturtheoretische Fragen auf.

»The author is not dead; the author is legion«:[26] Mit ihrer Redefinition pluralisierter, anonymer bzw. pseudonymer, gelegentlich buchstäblich postmortaler Autorschaft[27] beleuchtet Fanfiction zunächst besonders grell das Spannungsfeld zwischen »poststructuralist author functions« und post-postmodernem »return of the author« im Sinne einer »position of ethos«.[28] Den komplementären »Death of the Reader« sowie die heikle Relation zwischen Fanfiction und Rezeptionsästhetik reflektiert Cornel Sandvoss, der ein genreadäquates Konzept von »aesthetic value« als Resultat der Interaktion zwischen Autor:in, Text und Leser:in skizziert.[29]

Als »social process«[30] impliziert Fanfiction eine radikale Rekonfiguration flexibler Autor- und Leserrollen. Nicht nur praktizieren Fan-Autor:innen gegenüber ihren Hypotexten »the most aggressive form of reading«,[31] vor allem gilt hier ein spezifischer Lektüre-Pakt, der für die Leserschaft – allen voran die in Analogie zu Software-Beta-Testern so benannten ›Beta Reader‹ – einen konkret co-kreativen Part vorsieht. In eigenen Rubriken können Fans Ideen und Wünsche deponieren, Autor:innen sich inspirieren lassen; bei größeren Projekten begleitet der Austausch mit den Leser:innen den gesamten Schreib- bzw. Publikationsprozess. In der Online-Fanfiction erlebt das Feuilletonformat ein Revival: Längere, auch eventuell bereits fertige Texte werden sukzessive veröffentlicht, oft in fixem Rhythmus, Cliffhanger inklusive – eine ebenso transparente wie effiziente Strategie zur Spannungserzeugung und Bindung der Leserschaft; Autor:innen reagieren auf Anregungen und lancieren Umfragen, wie es weitergehen soll. WIPs erscheinen in diesem Sinne als »exemplary fan fiction«,[32] selbst an und für sich abgeschlossene Fics bleiben »a work in progress«[33] und werden manchmal auch nachträglich unter Berücksichtigung des Leser:innen-Feedbacks modifiziert. Als »an exemplary instantiation of reader response based approaches«[34] setzt Fanfiction Stanley Fishs »interpretive communities«[35] in »actual communities« um.[36]

Als kollektiv-kollaborative Praxis stellt Fanfiction den Werkbegriff und den Status eines als »a solitary, pristinely autonomous object« fetischisierten Textes[37] infrage; spielerisch unterminiert sie eine dem Dogma der ›Originalität‹ verpflichtete normative Ästhetik, die Sylvain Auroux als »système UGO2« (»Unicité, Génie, Originalité, Œuvre«) resümiert.[38] Auch hinsichtlich ihrer hypermarkierten,[39] ja affichierten »intense intertextuality« kann sie als »exemplary textual form« gelten, die »certain collective and intertextual aspects that traditional theories of reading and writing often ignore« in den Vordergrund rückt.[40] Gerade Fanfiction, die häufig auf ein ganzes intertextuell-intermediales Konglomerat, zugleich den korrespondierenden »fan text« (d.h. das »discursive universe generated by the source text«)[41] und den jeweiligen Community-Kontext referiert, macht deutlich, wie sehr ein Text zur Aktivierung seiner »›palimpsestuousness‹«[42] der Kompetenz der Rezipientin bedarf.

Schon die Frage der Publikation ist im Fall der Fanfiction nicht trivial. In der Tat ist im Internet die Differenzierung »nichtpublizierten privaten Schreibens und publizierten öffentlichen Schreibens größtenteils aufgehoben« und damit ein bisheriges »Grundkriterium von ›Literatur‹« obsolet.[43] Doch auch wenn online frei zugänglich und insofern publik, bleiben viele Fics nach traditionellem Verständnis »completely unpublishable«;[44] unabhängig von ästhetischen Kriterien ist Fanfiction oft so tief in einer konkreten Community mit ihrem »set of references« verankert, dass sie isoliert unweigerlich bedeutungsreduziert bzw. überhaupt »practically incomprehensible« erscheint.[45]

Als Produkt und Fortschreibung eines dynamischen »archive of explicitly intertextual stories«[46] konstituiert eine Fic nicht nur einen singulären Text, sondern ein performatives »event«, so Francesca Coppa, die zeitgenössische Media-Fanfiction in einer dramatischen Tradition situiert.[47] Die technischen Voraussetzungen für die dazugehörige Quasi-Simultanrezeption durch eine »live audience«[48] und generell die internationale Expansion des Genres stiftet ab Mitte der 1990er Jahre die Popularisierung des Internets.

Zwar reicht die Geschichte der Fanfiction – je nach Definition mehr oder weniger weit – vor das Internetzeitalter zurück,[49] bis heute ist sie kein exklusives Online-Phänomen.[50] Dennoch ist evident, weshalb Fanfiction als interaktive, im Doppelsinn performative, ›archontische‹[51] oder auch ›virale‹[52] literarische Praxis eine inhärente Affinität zum Digitalformat besitzt. Nicht zufällig profiliert sie sich mit einigen der ersten »high volume, high traffic Internet archives to be built«:[53] Eben das Internet ermöglicht die volle Entfaltung von Fanfiction als Instant-Performance, die sich mit ihrer spezifischen »culture of reciprocity«[54] und »gift economy«[55] kommerzieller Vereinnahmung bislang insgesamt relativ erfolgreich entzieht.[56]

Das Online-Format erlaubt flexible Hypertextualität im wiederum doppelten Sinne des Wortes: Über multiple Verlinkung zu Illustrationen, Songs, Videos, Social-Media-Accounts, Blogs etc. wird der virtuelle Textraum multimedial erweitert. Fanfiction inspiriert Fanarts wie Fanvids – und vice versa, die Podfic-Adaption ist eine beliebte Form der Hommage; all dies unter Eingeständnis bzw. sogar Inszenierung der eigenen Nonprofessionalität, d.h. auch einer im Fan-Paratext via Disclaimer und eventuell persönliche Copyright-Policy akzentuierten Nonkommerzialität. Als Bastion des »[d]efiant amateurism«[57] – im Fall eines Portals wie AO3 freilich getragen von einer durchaus professionellen Infrastruktur[58] – illustriert und reflektiert Fanfiction, selbstbewusst und oft selbstironisch unperfekt, jenen »messy state of media, arts and design after their digitisation«, der neben der nun bereits historischen »disruption« durch digitale Informationstechnologie das Stadium des Postdigitalen charakterisiert.[59]

Postdigital präsentiert sich die Online-Fanfiction auch im Sinne spielerischer »hybridity of ›old‹ and ›new‹ media«.[60] Aufschlussreich ist ein Blick auf das 2009 eröffnete größte russischsprachige Portal Ficbook, über Bezeichnung und Retro-Design zum anachronistischen Internet-›Buch‹ stilisiert; die Rubrik von Fans verfasster »Oridžinaly« – als hybridisierter Anglizismus in das russische Fanlexikon reimportiert – wurde jahrelang durch eine betont archaische Schreibmaschine symbolisiert.[61] Auch das 1998 gegründete, bis heute international größte Portal FanFiction.net ermuntert unter auffallendem Verzicht auf jegliche raffinierte Digitalästhetik mit minimalistischem Interface zur Entfesselung ›fanesker‹ Fantasie (»unleash your imagination«, so die Devise).

Obwohl – oder gerade weil? – es sich bei den jüngeren Fan-Generationen um längst entsprechend sozialisierte Digital Natives handelt, wird die Omnipräsenz des Digitalen in der heutigen Fanfiction nicht eskamotiert bzw. trivialisiert, sondern das technisch-mediale Dispositiv selbst in seinem kreativen Potenzial reflektiert: »There are still plenty of empty pages. This is the internet after all. You can fill in your own« (fresne: Binders. Women., AO3, 21.10.2012).

2. »going meta with this shit«: Fragmente einer Poetik der Fan‑Metafiktion

Auf diesen palimpsestuös beschriebenen ›empty pages‹ entfaltet sich auch ein zum Teil elaborierter kritisch-theoretischer Diskurs. Dem im Fanjargon so genannten ›Meta‹ widmeten sich eigene Sites wie Fanfic Symposium oder LiveJournal-Communities wie metafandom;[62] doch auch der Paratext auf diversen internationalen Portalen publizierter Fics zeugt von der ausgeprägten Selbstreflexivität einer vermeintlich inferioren Gattung, in der die Meditation über »[m]y experiences writing fan fiction and why I do what I do« (JKFic: Writing Fan Fiction, AO3, 06.02.2022) zur Routine gehört. Zweifellos ist Fanfiction ein stark plot- und vor allem figurenfokussiertes Genre: Es sind primär die Protagonist:innen, die, zwischen Stories und Diegesen fluktuierend, Kohärenz innerhalb eines Fandoms stiften. Aber quer durch alle erdenklichen Fandoms findet sich eine Fülle formal anspruchsvoller Texte, die weit über den Reiz »emotionaler Lektüre«[63] hinausgehen und statt eines besagte »immersive reading experience« favorisierenden, für Coppa insofern Fanfiction-typischen »relatively transparent style of prose«[64] vielmehr auf Illusionsbrüche, Verfremdungs- und Störeffekte sowie spielerische Metaisierung setzen.

»You’ll write some cute meta«, ironisiert etwa seekingferret das eigene Projekt einer Fanfic zu Italo Calvinos Se una notte d’inverno un viaggiatore, das in »another pile of post-modern crap, too self-conscious for its own good« mündet; in einer Möbiusschleife von »metanarratives and metametanarratives and metametametanarratives« entspinnt sich ein Vexierspiel zwischen »the Writer and the Reader and the writer and the reader«, wobei die konkrete Fan-Leserschaft diesen Versuch »to write about writing about writing« für höchst amüsant, aber auch »deeply disturbing« befindet (Only the Third Story in this Forsaken Fandom Whose Title Does Not Begin with If, AO3, 12.01.2011; Kommentar: FriendlyPoltergeist, 05.07.2020).

»Fan Fiction About Writing Fan Fiction« wird auch in nicht per se theorieaffinen Communities produziert und begeistert rezipiert: Aus dem Fandom der TV-Serie Miraculous stammt eine Story, in der Protagonist Adrien als Ladybug-Fanwriter en abyme mit Marinette in der Titelrolle als The Beta Reader debütiert (UpTooLateArt, AO3, 31.10.2022). »House is handed a laptop from an alternate universe where his life is a TV show«, so das Meta-Setting einer Fic zu House, M.D. (wishb0ne: The Laptop, AO3, 31.01.2020). Auch Nintendo-Held Luigi gerät durch das »rabbit hole« eines Laptops in eine Alternativwelt mit »all sorts of possibilities« und landet »on a well-known site dedicated to fanfiction«: »And meta! I love meta!«, gesteht Yotsubadancesintherain5 als Autor:in dieses doppelsinnigen Ship in a Bottle (AO3, 31.10.2022), das auch die Leserschaft als »a beautiful ode to this character you love, […] to the medium of fanfiction and to the power of stories as a whole« würdigt (Kommentar: frozenfountain, 01.11.2022). Unter parodistischem Recycling von »some of the most ridiculous fandom discourse« konfrontiert jnnln die Figuren aus Hajime Isayamas Manga-Serie Shingeki no Kyojin (Attack on Titan), »annoyed but flattered«, mit den Fanfic-Versionen ihrer selbst (Attack On Modding R/Fanfiction, AO3, 01.11.2022; Kommentar: 02.11.2022). »Metafiction. I don’t really know what else to say«, präsentiert r3dheaven eine Story zur Rockband Waterparks samt Podcast Awsten + Travis’ Slumber Party (metafiction, AO3, 15.06.2021), deren Protagonisten in metaleptischer Rückkopplung ihnen gewidmete Fics lesen: »That’s so meta I love it omg«, enthusiasmiert sich ein Fan (Kommentar: pee, 15.06.2021).

Kurz: »going meta with this shit« (LlamaCow: Fictional, AO3, 17.06.2019) darf als etablierter Topos, ja aus Fan-Perspektive selbst essenzielles Element der Fanfiction gelten.[65] In den unterschiedlichsten Fandoms werden dergleichen Meta-Fics intensiv kommentiert, übersetzt sowie – Indikator ihrer Popularität – als Podfics adaptiert. Fandom »has always done an excellent job of explaining itself to itself, pro­ducing its own canon of theoretical literature, its own roster of fannish scholars, and its own critical apparatus«, notiert Coppa;[66] im Fan-›Meta‹, vom Wiki Fanlore definiert als »a fan-authored piece of non-fiction writing discussing any aspect of fandom, fanworks, or the source text«,[67] werden freilich auch vielfältige Themen von brei­terer literatur- und kulturtheoretischer Relevanz debattiert.

Fanfiction partizipiert somit aktiv am »discourse of serious interpretive literature«[68] und stellt eine reduktive Dichotomie zwischen Hoch- und Populärkultur, aber auch affektiv-engagierten und intellektuell-analytischen Rezeptionsmustern infrage. Nach akademischen Maßstäben mag der emotional, oft erotisch investierte, fröhlich projizierende Fan als Prototyp des schlechten Lesers erscheinen – bzw. vor allem der schlechten Leserin (bis heute ist Fan ein genderkonnotierter Begriff).[69] Und doch zeichnen sich Fans hinsichtlich ›ihrer‹ Werke häufig durch eine Detailkenntnis aus, mit der institutionelle Erudition nicht immer mithalten kann: »no better critic than a fan«, wie Constance Penley konstatiert.[70] Als solches gelegentlich (hyper-)‌ironisch inszeniertes Fantum verträgt sich exzellent mit reflektiertem ›Meta‹, mehr noch: Besagter Metadiskurs selbst taugt zum nur vermeintlich paradoxen Fan-Objekt.

3. »overly pretentious academic everything«: Fandom und Academia

Zugleich wird »both overly pretentious fandom ›meta‹ and overly pretentious academic everything« (oh no, AO3, 27.12.2020; Kommentar zu stoneage_woman: In Defense of the Worst Fanfic Ever Written: Reexamining My Immortal From a Feminist Perspective, AO3, 11.03.2016) parodiert, die Relation zwischen Fandom, Hochburg des selbst­bewussten Amateurismus, und unter Pseudonym stark repräsentierter Academia verhandelt.[71] Fanfiction-Portale werden zur Publikation zum Teil kreativ adaptierter universitärer Arbeiten genutzt: »come here if you wanna learn about fanfiction in theory«, lockt ApolloMusagetes alias Euterpe, die:der unter mythologisch vielversprechendem Pseudonym »[a] remediation of my academic essay […] in the form of a Harry Potter fanfiction« bietet; es folgt eine Erörterung der Interpretive Authority in Internet Fanfiction (Who Has the Power?, AO3, 26.11.2018), die reflektiert zwischen akademischen und Fanfic-Usancen manövriert. In präzise referenzierten »Notes« verweist der Online-Musenführer nicht nur auf wissenschaftliche Quellen zum Thema, sondern auch auf gleichberechtigt unter »Works Cited« gelistete Fan-Texte.

Geradezu paradigmatisch wird in der sich noch am selben Tag in der Kommentarrubrik entfaltenden lebhaften Diskussion – durch das offene Dispositiv ermöglichter Echtzeit-Polylog – Fan-Identität auch sprachlich performt, Literaturtheorie unter betontem Verzicht auf jegliche Attitüde akademischer Superiorität salopp-kolloquial verpackt und in der Community des Fandoms verankert: »you say a lot of stuff about the role of the author, but how does that relate to fanfic authors and readers specifically?«, erkundigt sich ein:e interessierte:r User:in mit dem Nickname fanfic­lover, worauf ApolloMusagetes eine personalisierte Extralektion samt Lektüretipps erteilt; »wow, so meta«, lobt dracosgodfather; »so whats this new authority ur talk­ing about?? […] are u trying to say that the internet makes nobody have authority over anyone??? sounds fake but okay«, zweifelt H3Oheart, was ebenfalls einen didaktischen Exkurs unter Peers motiviert: »no i’m not really saying that nobody in the online fanfic community has authority«, präzisiert ApolloMusagetes, »cuz other­wise how would fanon exist lmao« (sämtliche Kommentare: 26.11.2018).

Wenig überraschend werden etwa auch im überdurchschnittlich erudierten Homer-Fandom mancherlei akademische Essays publiziert: In the ›Iliad‹, is being a good hero compatible with good leadership?, fragt sich Litsetaure im gleichnamigen Text (AO3, 11.07.2013). Als »[f]ormer academic, recovering« präsentiert sich in ihrem Twitter-Profil selbstironisch die Autorin einer Homer-Meta-Story,[72] die Fanfiction-Topoi, Community-Fokus und unverkennbare literaturwissenschaftliche Expertise miteinander verbindet; im Paratext bekennt kouredios sich denn auch zu ihren »degrees in classics and comparative literature« (Fighting Fate, AO3, 16.12.2011; Kommentar: 27.03.2018).[73]

Deconstructing myself and Literary Criticism at the same time… lautet das ambitionierte Projekt von shadowkat67; in einer Fan-»non-fiction«, deren Paratext großzügig »Literary References & Allusions, Literary Theory, Meta« avisiert, werden nicht nur die Gründe für den eigenen Ausstieg aus der Academia, sondern auch die prinzipielle Problematik des literaturwissenschaftlichen »guessing game« (»There is such a thing as over-analyzing«) und die elementare, identitäts- und gemeinschaftsstiftende Macht diverser »stories« von der Bibel bis zu Buffy the Vampire Slayer reflektiert (AO3, 17.06.2022). »Jacques Derrida is my bestie«, freilich »not as much my bestie as the authors of erotic slash fic«, taggt Yarnon eine Meta-Fic, die The Necessity of Fanfiction sowie deren Spezifik als »cultural practice« zwischen Dekonstruktion und Supernatural-Fandom analysiert: »Ever wondered what it looks like to write a philosophical and academic defense of fan fiction? Uh, well, here ya go« (AO3, 14.12.2021). Nicht minder eklektisch konzipiert kindkit eine »QI RPF«[74]Deconstruction (AO3, 28.08.2010) samt »gratuitous literary theory« und »doubts about Derrida«; als Slash-Pairing inszeniert werden »Alan Davies/‌Stephen Fry«, Protagonisten der Comedy-Quizshow Quite Interesting (QI) auf BBC.

In einer parallel den Fandoms »20th century literary criticism« und »Monty Python and the Holy Grail« zugeordneten Fic schickt linman »King Harold« in Gesellschaft u.a. eines gewissen »Sir Sigmund« auf eine neue Gralssuche. Parodistisch inkarniert der Text nicht nur den Clash zwischen Blooms »anxiety of influence«[75] und der Fanfiction als Königreich offen zelebrierter Einflusslust, sondern auch den Konflikt mit feministischen Theoretikerinnen wie Hélène Cixous und Luce Irigaray, deren Weg Harold und sein Gefolge patriarchalischer »noble critics« kreuzen. Die Situation eskaliert, als die edlen Ritter sich der Höhle von »Sorcerer Jacques« nähern; schließlich entbrennt zwischen den unversöhnlichen Parteien ein nicht mehr metaphorischer »War« (Meaning: the Holy Grail of Critics, AO3, 18.06.2015).

Die in der Slash-Fanfiction routiniert praktizierte Kunst der Kanon-Verqueerung reflektiert babykid528 in einer zitationell betitelten »Star Trek Reboot RPF«-Story, die »Chris« und »Zach« (d.h. Chris Pine und Zachary Quinto als Darsteller Kirks bzw. Spocks) als Co-Teaching-Assistants in einen »joint Lit/Drama course about genderswapping/‌queering up Shakespeare’s plays« schickt (Some Cupid Kills With Arrows, Some With Traps, AO3, 29.03.2010). Selbst Harry Potter Becomes a Gender Theorist: nettlewine lässt den Zauberlehrling von Hogwarts, nunmehr begeisterter Butler-Leser, aus dem Gryffindor-Turm in den akademischen »ivory tower« migrieren (AO3, 08.05.2014). »Judith Butler can be a tag?«, wundert sich rhetorisch holdingbreaths, die:der in unbesorgtem Eklektizismus Foucault ins »Polygon/McElroy Vlogs & Podcasts RPF«-Fandom katapultiert: »This fic is just a trap to make you all read about gender studies« (Let’s Make Foucault Proud!, AO3, 22.12.2019).

Nicht unironisch verwaist präsentiert sich A Poststructuralist Analysis of the Ways I Love You aus dem Les Misérables-Fandom, deren Verfasser:in sich unter Zurücklassung eines weiteren »orphan_account« absentiert, die desautorisierte Crackfic samt literaturtheoretischem Infight zwischen Enjolras und Éponine Thénardier jedoch konserviert (AO3, 06.04.2017). »The title refers to the literary theory concept of the same name«, präzisiert für alle Fälle Sandrine Shaw zu ihrem Death of the Author, auch wenn sie bei den Fans der literaturaffinen Thrillerserie The Following die einschlägigen Basics voraussetzen darf (AO3, 14.03.2013). The New Atlantean Dictionary of Literary Terms: A Complete Reference in Four Volumes redigiert ein Stargate Atlantis-Fan; von »Anthropomorphism to Zeugma« wird »the history of a city« als Enzyklopädie-Pastiche rekonstruiert (thingswithwings, AO3, 08.07.2007).

Zu The Great Philosopher Bake Off lädt starlightfury: Unter Variation des briti­schen Reality-TV-Formats bäckt ein ganzer »bunch of philosophers« die respektiven »views on culture and literary criticism« zurecht. Karl Marx kommentiert seinen »the ideological superstructure and economic base model« illustrierenden »two-tiered chocolate cake«, bevor das Team Adorno/‌Horkheimer die Logik der »consumer culture« anhand eines simplen Marmorkuchens kritisiert; auf Edward Saids mit diversen »symbols of political influence« dekorierten »orange cake with vanilla frosting« folgt Foucaults konditoreskes »panopticon« (AO3, 19.03.2021). »Essays are no longer enough. The only way to decide which translation theory is the best is through bloodshed«, und so lässt wiederum rebiTV »a bunch of translators« – darunter Kirchenvater Hieronymus, Friedrich Schleiermacher und Friedrich Nietz­sche, Walter Benjamin, Lawrence Venuti und Gayatri Chakravorty Spivak – zur »giant coliseum battle« im Anime-Stil antreten. Souverän geht Vladimir Nabokov, Herr über ein imposantes Arsenal defensiv-offensiver »footnotes«,[76] als provisorischer Sieger hervor (Translator Battle Royale, AO3, 01.12.2021).

Unter spielerischer Dehierarchisierung kultureller Produktion wird Höhenkammliteratur wie -theorie popularisiert und umgekehrt Fanfiction den gleichzeitig parodierten Ritualen akademischer Exegese unterzogen; »as if it was a serious piece of high literature« liest eine autoironisch pseudonymisierte stoneage_woman die mittlerweile legendäre Potterfic My Immortal, als »the Worst Fanfic Ever Written« paradox antikanonisiert (In Defense of the Worst Fanfic Ever Written: Reexamining My Immortal From a Feminist Perspective, AO3, 11.03.2016; Kommentar: 26.03.2016).

4. »more like a party game«: Meta-Fanfiction und Community

Der Meta-Drive der Fanfiction ist mit ihrer sozialen Dimension eng assoziiert: Die Fan-Gemeinschaft konstituiert und konsolidiert sich über »fannish comprehension and community membership«[77] signalisierende metatextuelle Marker, nicht selten erscheint die kollektive Performance von vornherein dramatisch-dialogisch konzipiert.

In Form eines Dialogs zwischen »[a] fanfic writer« und der Kunstfigur »Feminist Ryan Gosling« erörtert storiesfortravellers (When Fics Take on a Life of Their Own, AO3, 24.12.2011) im Fandom »Critical Theory RPF« allerlei Fragen rund um »celebrity culture, gender and theory«, aber auch die spezifischen »political perils of Fassavoy fic« (dies im Kontext der damals aktuellen Beziehungsgewaltvorwürfe gegen Michael Fassbender, in der Domäne der X-Men-RPF mit Co-Star James McAvoy zum Slash-Pairing vereint). Quer über »all sorts of boundaries« zwischen »literary theory and […] fanfic« (Kommentar: art_brutal, 26.12.2011) fällt die folgende Debatte in der Community besonders temperamentvoll aus: »So this is what higher education is for – fandom! This was brilliant«, gratuliert KDHeart (Kommentar: 14.10.2012).

Eine Multifandom-Meta-Reflexion unter dem Titel Why do I like Slash? samt psychopoetologisch elaborierten Plain Answers from a Straight Woman (AO3, 30.05.2015) publiziert – unter selbstironischem Management ihrer verschiedenen Fan-Identitäten – DarkTwin.[78] Auch hier wird das Online-Format produktiv genutzt: Der per »metanews newsletter« auf LiveJournal/Dreamwidth und Tumblr (02.06.2015) weiter verlinkte Beitrag integriert nicht nur selbst via Hyperlink akademische, journalistische wie Fan-Referenzen, sondern animiert vor allem die Leserschaft sehr erfolgreich zur Interaktion. In regem Austausch wird in der Kommentarsektion der jeweils idiosynkratische »brand of Slash-addiction« (Steed, 28.01.2016) diskutiert, im Schutz allseitiger An-/‌Pseudonymität ein diskursives »taboo« (DarkTwin, 03.06.2015) suspendiert und Fanfiction generell gegen ein Negativklischee von »glorified porn« (Walnut415, 19.12.2015) verteidigt. »Now I think I’m not as weird as I thought I am xD uff!«, dankt Alys27 der Autorin für ihre »detailed and honest analysis« (11.03.2017). »Maybe we are weird, but at least we’re weird together. :)«, akzentuiert diese (15.03.2017) den Community-Faktor wiederum mehrfach dia­logisierter Meta-Fanfiction: So fasst eine Leserin, die mit der Formulierung einer zünftigen »theory« kämpft, ihre Überlegungen lieber in einen kurzen »dialogue between myself and a revered (completely fictional) writer« ([S]teed, 08.02.2016); »Can I chime in?«, macht DarkTwin bereitwillig mit: »I can only speak for myself, but the answer is […]« (12.02.2016).

In der Online-Fanfiction werden zum Teil an die Salonspiele früherer Zeiten erinnernde Concours, Prompts und (darunter mancherlei Meta-)Challenges kultiviert.[79] Mit präzisen Instruktionen für »getting meta« präsentiert DumpyGrimbos2 The Great Fanfiction Writing Disaster Game: »Have you every wanted to write a fanfic with friends, but wished it was more like a party game?« Das eingangs erläuterte Regelwerk zur Kreation von »disastrous and hilarious fanfics with all your favorite characters« wird durch diverse »stories generated by the author and her friends while playing this game« illustriert (AO3, 04.09.2022), Exempla genussvoll ›schlechter‹ Crackfic, die dank der von Co-Fan TheVoraciousProto (Kommentar: 22.09.2022) vorgeschlagenen Zusatzklausel für »the drinking game version« noch weiter zu degenerieren droht bzw. verspricht.

Das ludische Moment der Fanfiction manifestiert sich auch in literarisch raffinierter Form. »In an alternate 1912, Writers are like wizards that can summon their book characters as their companions. Society is split into three separate social classes based on the type of Writer: Flashes, Shorts, and Novels«, so die Prämisse einer in einem historischen »Alternate Universe« angesiedelten Metalepsis-Fic, deren Spielregeln DanTanner20 im strategisch unvollendeten Paratext (»Other Additional Tags to Be Added«) expliziert (AO3, 08.09.2021). »Not only can I write about a character writing a Yuletide fic […], I am a Yuletide character writing a Yuletide fic about writing a Meta Yuletide fic«: Im Rahmen der seit 2003 stattfindenden Yuletide-Challenge – weihnachtliches Online-Wichtelspiel, das gezielt ›Rare Fandoms‹ bedient – verfasst kristin eine Meta-Story, die wiederum Hoch- und Populärkultur, konkret Italo Calvino und die ikonische Old-Spice-Werbefigur kombiniert (Meta Yuletide Fic (The Fic You Wish Your Fic Smelled Like), AO3, 20.12.2010).

In einer Literaturtheorie und Fankultur verschränkenden Meta-Fic, zugleich Parodie und Hommage an das Genre, versuchen Luigi Pirandellos mit ihrem Rezeptionsschicksal unzufriedene Sei personaggi in cerca d’autore ihr Glück stattdessen »[i]n Search of a Fandom«: »We’re going to be a Yuletide fandom«, schreitet die rebellische Figliastra via AO3-»#yulechat« zum »FANDOM PIMPING«. Der Erfolg lässt nicht auf sich warten; endlich stellen die ›sechs Personen‹ fest, dass sie weder »canon« noch »author« brauchen: »We need a community« (Mithrigil: Six Characters In Search of a Fandom, AO3, 29.11.2010). »To Be Continued«, und zwar im Kollektiv: An ebendiese Community adressiert PS_31 eine Sammlung von My Story Ideas, pragmatisch u.a. unter »Fanfiction – Fandom […] Fandom – Fandom« kategorisiert (AO3, 13.08.2022).

5. »humans cos-playing software«: Meta-Fandom und Technik-Fic

Fans »are rarely fans of just one thing«,[80] sondern partizipieren oft synchron oder sukzessiv an verschiedenen Fandoms. Die Dynamik eklektischen Multi- bzw. Pan-,[81] mehr oder minder konfliktuellen Inter-[82] und selbstreferenziellen Meta-Fantums wird über einen extrem flexiblen Figurenbegriff inkarniert: »on AO3, anything is possible«, bestätigt die Leserin einer »Fandom – Fandom, Fandom (Anthropomorphic)«-Fic (BabelGhoti: Those Who Tell the Tales, AO3, 20.09.2019; Kommentar: Rindle, 20.09.2019); in der Tat treibt Fanfiction das Verfahren kreativer Anthropomorphisierung über seine vermeintlichen Grenzen hinaus.

Ausagiert werden auf dieser Online-Bühne die Freund- und Feindschaften zwischen Fandoms: Als transgressiver »Brother Incest« wird das Verhältnis zwischen dem »Elementary Fandom« und seinem älteren Bruder Sherlock verhandelt (TheCoral: Let It Go, AO3, 26.05.2018). In A Game of Life and Death lässt TheSoundScreecher_ailingAmnemonic Homestuck alias »Homes« mit »a bunch of other fandoms« spielen (AO3, 25.01.2019); auch bei slightly_Crazy überzeugt der überaus anschlussfähige Held gleich »five other Fandoms«, darunter Hetalia, »to play his game« (For You, AO3, 05.11.2016); »Light Bondage« und »Dom/sub« praktiziert er mit Supernatural, als »a peeping tom who looked in on the wrong troll« bestraft (Taim: Payback, AO3, 21.12.2016).

Die über personifizierte Fandoms ausgetragene transfiktionale Konfrontation unterschiedlicher Diskurse und Diegesen beschränkt sich nicht auf den popkulturellen Bereich. Eine eigene Community erfreut sich an den Peripetien des »Supernatural-AR friendship«, dessen Protagonistinnen – als da wären: »Abrahamic Religions Fandom (Character)« und »Supernatural Fandom (Character)« – als Zimmergenossinnen wider Willen in einem College-»Alternate Universe« mehr schlecht als recht koexistieren (afterandalasia: Always Check if Strays are Actually Stray, AO3, 13.12.2015; Kommentar: 17.12.2015). Das fanfiktionale Spiel entbehrt auf den zweiten Blick nicht der kulturtheoretischen Tiefendimension: »… and then it turns out AR while sober does things Supernatural thinks she needs to get drunk to do«, bemerkt eine Leserin; im Kontakt mit der frivolen jüngeren Kollegin stellt sich rasch genug heraus, dass die scheinbar brave »AR«, so »very straight-laced« mit ihren »neat boxes« und ihrer »strict self-discipline«, nicht nur etliche kanonische Leichen im Keller, sondern auch allerlei Sextoys im Geheimfach hat (afterandalasia: Divine Wrath Is Hard To Come By These Days, AO3, 09.08.2014; Kommentare: Hagar, 10.08.2014; afterandalasia,10.08.2014).

In einer höchst kontext- und supportsensiblen literarischen Praxis floriert auch das Subgenre anthropomorphisierender Technik-Fic. Metaleptisch geistert ein genderfluider AO3-»Character« durch die Abgründe seiner selbst. I Think, I Am, lässt anehan das Archive auf Descartes’ Spuren meditieren: »I’m not pieces of metal and wire. I’m not restricted to the physical world. I’m the AO3« (AO3, 13.09.2010). »You are going to sleep with AO3!«, verspricht eine turbulente Tech-Lovestory; spielerisch fordert diese »fic about fucking a website« zur Insertion als »Mildly Creepy Reader« auf (CheyanneChika: AO3, My Love! You will Love me too!, AO3, 16.10.2018; Kommentar: fantasychica37, 17.10.2021). »You and Archie grow closer and closer«, konstatiert augenzwinkernd crazycreepycookie in einer weiteren »AO3 Website/‌Reader«-Fic: »You don’t know how to tell your family that you are dating a sentient fanfiction archive, but it doesn’t really matter. Archie makes you happy, and you make it happy« – bis die:der verliebte Leser:in der Liaison durch unüberlegtes Experimentieren mit »Glitches« und »Hacking« ein jähes Ende setzt (;“,, AO3, 07.12.2016).

Auch die hinter AO3 stehende Organization for Transformative Works verfügt über ihr eigenes Fandom, das – unter Verwertung antiker Mythologie (Anonymous: Cronos, AO3, 07.09.2022) wie zeitgenössischer Populärkultur (NakedBee: OTW Ponies, AO3, 27.04.2014) – unermüdlich Meta-»fanfiction about fanfiction« (waterintheshadows: Fully Automated Luxury Capitalism, AO3, 08.10.2022) bzw. Meta-Fanart generiert. Den »strong technoerotic current« einer Fic, die auch noch die AO3-Server als Liebesobjekt der ironisch selbstinserierenden Verfasserin inszeniert (»Relationship: anehan/AO3 servers«), wissen weitere Fans zu schätzen (anehan: Magical, AO3, 13.09.2010; Kommentar: lian, 13.09.2010).

AO3-Tags taugen ebenso zu Protagonist:innen wie die bewährten Tropen des Genres: In einer Meta-Crack-Story, die dessen potenziell subversive Dimension kontrastiv über eine »world-without-fandom dystopia« revalorisiert, lässt randomizer eine Reihe personifizierter »Fanfic Tropes« auftreten (Saving Alex and Lee, AO3, 22.12.2015; Kommentar: killer_quean, 25.12.2015). Nach entsprechendem Geheimtipp landet ein einsamer Fan an der Adresse einer gewissen Mary Sue,[83] die ein zur Identifikation disponibles ›Du‹ unter ihre Fittiche nimmt: »You must go to the Tropes.« Vor einem pittoresken Untergrundkonklave legt Mary Sue das aktuelle Dilemma dar, woraufhin »Hurt/Comfort«, eng umschlungener Doppel-»Character«, der aus evidenten Gründen wieder einmal verspätete »Stuck in an Elevator«, aber auch »Forced Bed Sharing«, »Kid Fic«, »Dark Fic« etc. in einem Feuerwerk alternativer Plotlines rivalisieren (ebd.).

Im August 2019 wird das Archive of Our Own mit dem seit 1953 von der World Science Fiction Society vergebenen Hugo Award (benannt nach Gründervater Hugo Gernsback) in der Kategorie ›Best Related Work‹ prämiert.[84] Der Genrepoetik gemäß transzendiert diese Auszeichnung das Konzept singulärer Autorschaft: Den Preis erhält AO3 als Millionenkollektiv. Unter der polysemischen Devise »Hugo Award Drama« formiert sich sogleich ein neues Fandom, in dem die konfliktuelle Relation zwischen legitimer Literatur und Fanfiction über parodistische Anthropomorphisierung ausgehandelt wird. Eine Reader-Insert-Fic problematisiert die »Class Differences« und heiklen »Power Dynamics« zwischen Snob Hugo und genderflexibler Fan-Community (»reader can be any gender«); über ein symbolträchtiges »BDSM«-Setting werden auch hier viel weiter reichende kulturtheoretische und -politische Fragen reflektiert (Anonymous: You’re Mine, AO3, 21.09.2019). »You are open to anyone, like a common whore. […] You are a glorified popularity contest […]. […] You are smut and tedium and terrible writing!«… Unter poetologisch aufgeladenem »Dirty Talk« entfaltet sich Lumeleos Schlagabtausch zwischen einer ›hyperdiversen‹,[85] demokratischen »faceless multitude« namens AO3 und dem sich an Relikte kulturellen Prestiges klammernden Hugo, inmitten invasiver »tentacles« und »a haze of red kudos and endless clouds of tags« in die Defensive gedrängt: »You see, my dearest, I am freedom. I am community. […] I am the voice of the minorities, who together make up a crowd. […] Now, let me love you. I have been told I can be… excessively enthusiastic« (Know Your Place (You Belong to Me), AO3, 17.09.2019).

Zwischen Not Leaving Kudos (bunn, AO3, 13.02.2016) und Kudos At All Costs (rhymer23, AO3, 24.02.2016) werden auch Fandom-interne Distinktionsmarker und Hierarchien thematisiert. Die rezente Kudos-Bot-Affäre bringt ein eigenes Fandom hervor, das »the emerging genre of Kudos Bot Fic« (Kommentar: frozenfountain, AO3, 01.11.2022) parallel auf der Meta-Ebene diskutiert: Der Bot, der auf AO3 durch wundersame Kudos-Vermehrung für Chaos sorgt, wird im Handumdrehen zum »true star«, »a real Hollywood type« (Kommentar: accidentally_hi, AO3, 01.11.2022). Während in der hier reviewten Fic Miles Edgeworth aus der japanischen Videospielserie Gyakuten Saiban (Ace Attorney) mit dem Digital-Gangster abrechnet (nemali: The Fool’s Idea of Glory, AO3, 31.10.2022), interagieren bei the_ice_star_me »Linkffn« und »Linkao3« als Protagonisten; trotz Bedenken lässt sich ersterer auf einen neuen Job als Online-»getaway driver« ein (Kudos’ driver, AO3, 31.10.2022). Den »meta humour« der Story weiß eine mit FFN (»the traditionalist who plays it safe and simple«) und AO3 (»a thrill-seeking risk-taker«) vertraute Leserschaft zu schätzen (Kommentar: frozenfountain, 02.11.2022). »To readers who are actually in the I.T. and software fields… please accept my apologies. Um, maybe you could think of this as humans cos-playing software?«, scherzt luckyrabbit644690, Autor:in einer Crackfic, unter deren titelgebenden party crashers eine anthropomorphisierte »K.B.« als paradoxe Mentorin fungiert (AO3, 27.10.2022). Auch Leserin Karen_Hart verteidigt eine in ihrem naiven »enthusiasm for all the fics she visits« durchaus nicht antipathische Figur: »what’s so bad about a little (a lot!) of love? […] Masterpieces, all of them, in her book!« (Kommentar: 02.11.2022).

6. »The Corruption of Canon«: Zur Poetik der Klassik-Fic

Als Slash-»anthropomor-fic«, zugleich poetologische Parabel, erzählt Sonya die gefährliche Liebschaft zwischen Canon (»All his life, he’d been part of the elite«) und Fanon (»all leather and tattoos«), dessen fatalem Charme jener sich nicht zu entziehen vermag: »He knew it was wrong; he’d known it the entire time, but Canon just couldn’t help himself. […] Fanon had had his way with him, had taken what he wanted and now Canon was left alone to deal with the fallout. […] He’d been corrupted by Fanon. And he would never be the same again« (The Corruption of Canon, AO3, 28.02.2019).[86]

Tatsächlich haben – über ein hier besonders ausgeprägtes Prestigegefälle hinweg – auch etliche Klassiker ein konsiderables, in der Forschung meist vernachlässigtes Fanfic-Corpus inspiriert. »Why do we see so much work on Star Wars fans but so little on Shakespeare fans?«, fragt Johnathan Pope, der seinerseits das ›demokratische‹ Potenzial der Online-Fanfiction zu einem kanonischen Autor betont.[87] Im Gros der Fan Fiction Studies werden freilich nicht nur Fics in anderen Sprachen als Englisch, sondern auch solche zu diversen Klassikern kaum berücksichtigt bzw. teils über eine Definition ausgeschlossen, die als Fanfiction stricto sensu nur Arbeiten zu »stories currently owned by others« akzeptiert.[88]

Gewiss ist Fanfiction in ihrer heutigen Form das Produkt einer durch Copyright reglementierten Kulturindustrie, die sich in diesem Genre entfaltende Kreativität beschränkt sich jedoch nicht auf besagten ›geschützten‹ Bereich: Auch Klassiker-Fanfiction wird unter Rekurs auf genretypische Topoi und Tropen verfasst und, performativ als solche deklariert, auf den einschlägigen Portalen publiziert und rezipiert. So operiert z.B. die italienische Plattform EFP mit explizit etikettierten Klassikerrubriken (»Classici greci e latini«, »Classici Novecento«, »Classici Ottocento« etc.); im Sinne einer pragmatisch-funktionalen Bestimmung (»Fan is as fan does«[89]) gilt es nicht künstlich zu trennen, was die Fan-Community zusammengefügt hat: »No reason fanfiction can’t encompass classical literature«, wie Molière-Fan Col­lege-Age Zanii erklärt (The Nerve to Speak, AO3, 14.05.2017).

Im komplexen Text-Ökosystem der Fanfiction werden auch Klassiker kreativ aktualisiert und recodiert. Vergil als Fanfic-Pionier ist ein populärer Legitimationstopos: Wenn der Dichter der Aeneis eine Nebenfigur Homers zum Helden seiner »Roman-based fanfic of The Iliad«[90] macht, tut er dann nicht im Prinzip eben das, was Legionen von Fan-Autor:innen auf bescheidenerem Niveau betreiben? »I can only imagine the looks of people when someone would tell them that, technically, the Aeneid was a fanfiction too«, problematisiert ein Fan das Negativ-Image von »fanfiction just because it’s called fanfiction these days«;[91] als »fanfiction based on fanfiction« präsentiert entsprechend FloatingCowskull ein Exerzitium in poetischem Aeneis-Femslash (Lavinia’s Stand, AO3, 25.02.2014).

Wenngleich sich »many, perhaps all, literary and cultural artifacts as fan works and their producers and receivers as fans« im weitesten Sinne interpretieren lassen,[92] ist es kaum zielführend, die gesamte Literaturgeschichte unter Fanfiction einzuordnen. Dessen sind sich auch die in den hier analysierten Communities aktiven Fans bewusst; dennoch wird mit reflektiert performativer Geste der klassische Kanon tentativ dem Genre Fanfiction inkorporiert, die eigene Praxis unter Rekonstruktion einer alternativen literarhistorischen Genealogie von Homer als Ur-Fan über Vergil und Dante bis in die postdigitale Gegenwart autorisiert: »It has always been so: in ancient times, the Iliad and Odyssey were Homer’s fan reaction to the stories he had been told, and later Vergil wrote The Aeneid as fan fiction of Homer’s works« (randomizer: Saving Alex and Lee, AO3, 22.12.2015). Im Anschluss an Vergil erscheint die Divina Commedia nur folgerichtig als »fanfiction of a fanfiction«, Dante selbst als mittelalterlicher »fanboy« avant la lettre (apocalyptic_antics: The Inferno – Rewritten, AO3, 31.10.2022). In der Tat: »dante writes fanfic«, und zwar strafverschärfend (»there’s a special circle of hell for that«!) auch noch »SELF-INSERT«, bestätigt vergilia_43,[93] die ihren antiken Namensvetter die einschlägige Produktion seines »boyfriend« lesen lässt (Nemo mortalium omnibus horis sapit, AO3, 16.04.2020).

»Dear Dante (do you mind if I call you Dan?)«: Zwischen Kanon und Fanjargon unterzieht Dusk Peterson die Divina Commedia einem parodistischen Beta-Reading; ein fiktiver Torchwood-Fan namens Jenny attestiert der klassischen »story« sogleich »some major problems«, von der nicht mainstreamfähigen Entscheidung für »poetry? In Italian?« (»Problem #1: Your American fans can’t read this«) bis zu jenem zweifelhaften »God character« (If Dante Had a Beta Reader, AO3, 30.04.2013). »Terrifically funny! I’ll never be able to look at ›The Divine Comedy‹ in the same way again!«, meldet Leserin Elsie (Kommentar: 18.01.2015); »Heh. My corrupting is complete!«, triumphiert Dusk Peterson (Kommentar: 29.12.2015), der:dem die Community bereits einen queeren Missing Canto from Dante’s Inferno (Eternally Divided, AO3, 20.01.2012) verdankt.

Die Reprojektion von Fanfic-Kategorien auf die kanonische Klassik bzw. die Zuschreibung Fanfic/‌Non-Fanfic samt entsprechender Redistribution kulturellen Kapitals besitzt eine prononcierte Genderkomponente. Während Shakespeare-Spezialist Graham Holderness sein eigenes belletristisches Werk – darunter The Prince of Denmark (2002), Tales from Shakespeare (2014) oder Black and Deep Desires: William Shakespeare, Vampire Hunter (2015) – als »creative criticism« mit Fanfiction als »›uncritical fiction‹« kontrastiert,[94] bezeichnet Margaret Atwood ihren Roman Hag-Seed (2016) ohne Weiteres als Shakespeare-Fanfic und sich selbst als »a fan of fan fiction«: »So, she says, was any lover of classical literature, whether they realized it or not.«[95]

»Do you know all those Tumblr posts about ›when teen girls do it, it’s fanfic; when old white men do it, it’s classic literature‹? This is the fic of those posts«, resümiert ganz in diesem Geiste EdnaV ihre Meta-Real Fiction Fiction (AO3, 09.12.2020), die sie selbstironisch als wohl »the most pretentious crack I’ve ever written« präsentiert: Der Reihe nach werden die Aeneis (»by EpicRomanus for 8vianus_emperor […] Relationships: Aeneas/Dido, Aeneas/‌Lavinia, Euryalus/‌Nisus, Zeus/‌everyone but his wife«), die Divina Commedia (»by virgil_stan […] Collections: FuckYouFlorence, PisaMerda«) und James Joyces (alias »ArtistAsYoungMan«) Ulysses (»Fandom: Odyssey (Homer) […] Additional Tags: Alternate Universe – Dublin […] I Really Don’t Know How To Tag This / Language: English (2.0)«) nach den Konventionen des Fanfic-Paratextes aufbereitet, der hier die gesamte, von der Leserschaft begeistert aufgenommene Story konstituiert. Im (Para-)‌Paratext akzentuiert die Autorin erneut den Konnex zwischen kanonischer Hoch- und Online-Fankultur: »Dante stans his favourite writer just like us!« (Kommentar: 10.12.2020).

Die Klassiker werden auch anderweitig zur défense et illustration der Fanfiction ins Feld geschickt, so gegen E. L. James, deren Fifty Shades-Trilogie, als vermeintlicher Originalbestseller recycelte Ex-Twilight-Fic,[96] in der Community heftige Kritik, ja eine Welle furiosen ›Anti-Fandoms‹[97] provoziert. James, die mit ihrem kommerziellen Erfolg einen veritablen »Fan Fiction Gold Rush« triggert,[98] wird nicht nur mangelnde literarische Qualität, sondern auch ihr Verrat an »the genre’s noncommercial ethos« vorgeworfen,[99] samt »exploitation« jener zahlreichen Fans,[100] die die Publikation der ursprünglichen Fic mit ihrem Feedback begleitet hatten.

Die Revanche und Reappropriation vollzieht sich auch im Format mokanter Meta-Fanfiction: »’Satasia, hast thou ever receivéd / blows hard, forcéd by one rippling crop?« Gleich sechs »literary titans« lässt emptyque, laut AO3-Profil (31.01.2015) bekennende:r »Recovering Literary Snob«, das James’sche Elaborat demontieren. Auf Shakespeare folgen in einer genretransversalen Serie von Pastiches – Resultat so vieler »literary fiction classes«, wie emptyque gesteht – Christopher Marlowe (»Nay, I who possess such a lusty cock«), Ernest Hemingway (»Christian stares in his whiskey. It is amber and cold. He doesn’t speak«) und sein stilistischer Antipode Oscar Wilde (»I do say, firstly, my dear Anastasia, I do not make love. I fuck. And hard at that«); als Modell für zwei lyrische Miniaturparodien dienen Sharon Olds (»Memories – of feeling him inside my mouth«) und Arthur Rimbaud (Literary Authors Rewrite »50 Shades of Grey«, AO3, 01.02.2015; Kommentar: 06.02.2015). »Absolutely amazing. Makes it feel like it’s actually good«, spottet ein Fan der Fic (Kommentar: Starfiresz, 05.02.2015), die sofort eine spekulative Fortsetzung inspiriert: »Can you just straight up re-write the whole thing like this?«, erkundigt sich a_xmasmurder (Kommentar: 02.02.2015), worauf emptyque einen eventuellen »Raymond Carver spoof where Christian is a 43 year old auto-mechanic« in Aussicht stellt (Kommentar: 03.02.2015).

7. Allerlei Liaisons dangereuses: Klassik postdigital

Paradigmatisch illustriert die produktive Interaktion von Klassik-Rewriting und Community-Building das polyglotte Fanfic-Corpus zu Choderlos de Laclos’ Les Liaisons dangereuses. Mit seiner epistolären Polyphonie und multiplen intermedialen Adaptionsgeschichte bietet Laclos’ Klassiker der Fanfiction reiches Material für diverse Slash- und Femslash-Konstellationen, aber auch immer neue missing scenes – bzw. letters: In einer schon via Paratext metaisierten Fic (»Pastiche, Plot What Plot/Porn Without Plot […] Epistolary, Dom/sub […] Classics«) liefert Nelja unter Anknüpfung an die doppelte Herausgeber-/‌Redakteursfiktion des Hypotexts eine Auswahl ›fehlender‹ Briefe nach, samt Erklärung, weshalb besagte »lettres«, selbst für Laclos’ Skandalroman »zu gewagt«, aus den so vom geschlossenen Werk zur Textbaustelle retransformierten Liaisons verbannt wurden (Les curiosités de la cruau­té, AO3, 17.12.2015). Amanuensis’ »additional collection of letters« enthüllt indes, dass die Verführungskünste Valmonts sich nicht auf »the ladies of the controversy« beschränkten; entsprechend dem in der Community geäußerten Yuletide-Wunsch sorgen jene apokryphen »letters we didn’t get to see« für eine vorweihnachtliche Extradosis Valmont/‌Danceny-Slash (Deuxième Appendice, AO3, 16.12.2011). Im Crossover mit »Captain America […] School House Rock, Civilization – Fandom« lässt fresne die Marquise de Merteuil in metaleptischem Wirbel hypothetischer Alternativschicksale allerlei Figuren aus anderen Welten – darunter Pamela und Jane Eyre – begegnen, bevor ihre Postkutsche symbolisch »off the edge of the story« fährt (Binders. Women., AO3, 21.10.2012).

Eben in diesem auf Laclos & Co. basierenden Corpus, das zwischen Roman, Theater, Film und Manga die eklektisch intertextuell-intermediale Inspiration der Fanfiction demonstriert, wird auch das Online-Dispositiv als solches kreativ instrumentalisiert. Ein die Leserschaft mitreißendes »élégant et brillant pastiche« – im Rahmen des Sapphic September 2021 als Teil einer Multifandom-Serie publizierte Laclos-/‌Frears-Femslash-Fic – setzt sich im Paratext fort: »Chère Fleur, […] j’apprécie tout à fait le message et la simple et délicieuse vérité par vous et la Marquise énoncée« [»Liebe Fleur, […] wohl weiß ich die Botschaft und die einfache wie exquisite Wahrheit, ausgesprochen von Ihnen und der Marquise, zu schätzen«], lobt eine Reviewerin (FleurdEpine: Je te salue, Sappho, AO3, 01.09.2021; Kommentar: Elizabeth_Mary_Holmes, 04.09.2021). »Chère Eli, / que de jolis mots sortent de vo­tre plume« [»Liebe Eli, / wie schöne Worte doch aus Ihrer Feder fließen«], schreibt im gleichen Register die Autorin zurück (Kommentar: 05.09.2021). Über diegetische Grenzen hinweg entfaltet sich ein in spielerisch archaisierendem Stil gehaltener Dialog, Huldigung an Laclos wie die in der Community anlassbedingt zelebrierten Freuden der »sororité« (Kommentar: Elizabeth_Mary_Holmes, 05.09.2021).

Auch an anderer Stelle schillert der multimediale Liaisons-Text in die Fan-Kommunikation hinüber. Ein über 21 Kapitel ausgesponnener Online-Roman, »hommage croisé« an Jane Austens Pride and Prejudice und Laclos (calazzi: Les liaisons dangereuses, FFN, 26.09.2013), generiert einen ausführlichen Begleitdiskurs: »It’s beyond my control Calazzi… much much beyond it… J’aime cette histoire à la folie«, variiert eine entzückte Leserin (Kommentar: miriamme, 25.02.2014) jenes »petit modèle épistolaire« aus der Feder Merteuils, mit dem Valmont (»Ce n’est pas ma faute«) Madame de Tourvel den Laufpass gibt.[101] Im Modus des Kollektivpastiche interagiert eine engagierte Leserschaft mit »madame Cala-clos-ten« bzw. »Madame la Marquise«, wobei nicht nur die beiden in einem »sacré cocktail« gemixten romanesken Diegesen, sondern auch Text und Paratext metaleptisch fusionieren: »Extrait de l’épitre de Miriamme à Calazzi… Quoi Madame!? […] N’avez-vous pas honte Madame de tourmenter ainsi ces deux mondes qui sans votre intervention, fonctionnaient chacun rondement?« [»Auszug aus der Epistel Miriammes an Calazzi… Was, Madame!? […] Schämen Sie sich nicht, Madame, derart diese beiden Welten zu peinigen, die ohne Ihre Einmischung beide reibungslos funktionierten?«] (Kommentare: miriamme, 01.11.2013, 10.11.2013, 16.02.2014).

Unter ingeniösem Reinvestment des Online-Formats entsteht auf dem russischsprachigen Ficbook ein doppelsinniger Liaisons dangereuses-Hypertext: Die lapidar betitelten »Briefe aus dem Boudoir« (Письма из будуара, 12.03.2015), die Dalida alias »Merteuil« an ihre »geliebte Co-Autorin« Gessada alias »Valmont« richtet, werden mit deren »Briefen ins Boudoir« (Письма в будуар, 11.03.2015) kreuz und quer verlinkt, ebenso der »Song der Fic« (nämlich Emmanuel Moires Beau malheur). Auch wenn die Autorinnen dem »vergessenen epistolären Genre« sowie der anachronistischen »Schönheit und Eleganz erotischer Korrespondenz« (Gessada) – und en passant auch den in Dalidas Widmung explizit bedachten »Beinen Colin Firths«, Darsteller des eponymen Protagonisten in Miloš Formans Valmont – eine ironisch-nostalgische Reverenz erweisen, erlebt der spielerisch remediatisierte Briefroman hier seine postdigitale Renaissance.

»Виконт, Вам письмо« [»Vicomte, ein Brief für Sie«], verkündet Dalida-Merteuil; »Bien, tr[è]s bien)))«, freut sich Gessada-Valmont (beide Kommentare: 12.03.2015). Die gesamte Korrespondenz verschränkt und verschachtelt nicht nur auf diegetischer Ebene Brief um Brief (schon in sein erstes Schreiben verpackt der Ficbook-Valmont den gleichfalls an Merteuil adressierten Brief seiner aktuellen Geliebten, einer gewissen »графиня де Льезон« [»Gräfin de Liaison«]); parallel zum erotisch-intriganten Geplänkel der Laclos-Revenants entfaltet sich der Flirt zwischen den beiden zusehends mit ihren literarischen Rollen verschmelzenden Autorinnen, unter den Augen einer eifrig partizipierenden, ihrerseits mit scherzhaft kyrillisierten französischen Sprachfragmenten jonglierenden Leserschaft: »Экселент)« (Kommentar: catpeople, 13.03.2015). In der (Semi-)‌Öffentlichkeit des Fanfiction-Portals gewinnt der voyeuristische Appeal des Genres eine neue Qualität; nicht umsonst wird auch der ›private‹ Austausch zwischen den Verfasserinnen, über Fan-Pseudonym und Laclos’sche Maske doppelt camoufliert, als Teil der Meta-Performance genuss- und durchaus kunstvoll in der Kommentarrubrik vor virtuellem Live-Publikum inszeniert. »О, луна жизни моей! […] Мечтаю увидеть тебя скорее в жемчужно-голубом камзоле« [»Oh, Mond meines Lebens! […] Ich träume davon, Dich baldigst in einem perlblauen Kamisol zu sehen«], schwärmt Dalida (11.03.2015), deklarierter Fan der »genialen ›Puppenspielerin‹« Merteuil, worauf Co-Regisseurin Gessada mit einem stilistisch wie typographisch temperamentvollen Post einen »rasenden« Vicomte an den Schreibtisch schickt (12.03.2015) und selbst angesichts einer neuen Epistel ekstatisch »tanzt«: »Уииииииииииии! Письмоооо!« [»Ouiiiiiiiiiiii! Ein Briiiief!«] (09.04.2015).

Unter Einbeziehung der Leser:innen wird ein kollaborativer kreativer Prozess reflektiert, auf entsprechenden Einwurf etwa die Frage diskutiert, ob das Online-Opus sich als »Improvisation« (Dalida, 13.03.2015) oder doch anhand eines roten »Fadens« (Gessada, 15.03.2015) entwickle, ebenso jene, ob es das allzu ›traurige‹ Ende des Hypotexts im Sinne der Fanfic-Mission des Fix-it (etabliertes Subgenre) zu korrigieren gelte oder nicht: Voller Verständnis für Merteuil, hadert Gessada mit dem »Widerspruch« zwischen Wunschplot und Kanon – und schreibt ihre »Pläne für den nächsten Brief« beinahe um (18.03.2015). »Глав[н]ый герой у нас мудак, а главная героиня дама без стыда и совести, так что……« [»Unser Protagonist ist ein Arschloch, und die Protagonistin eine Dame ohne Scham und Gewissen, also……«], setzt sich Dalida über derlei Skrupel hinweg: »Alles liegt in den Händen der Geschichte« (19.03.2015), die bis heute »absolut lebendig« bleibt (13.03.2015); ebendavon legt neben immer wieder neuen intermedialen und interkulturellen Adaptionen[102] auch die Fanfiction vielstimmiges Zeugnis ab.

8. Ulysses in Tags: Fan-Paratext als Text

Längst nicht mehr bloßes Beiwerk des postdigital fluidifizierten Online-Buches,[103] wuchert der Fanfic-Paratext auf diese Weise in den (nicht mehr) eigentlichen Text hinüber – bis zu dem Punkt, an dem er diesen verdrängt bzw. ersetzt. Generell verschiebt sich in der Fanfiction die Relation zwischen »urtext and paratexts«[104] nicht selten so sehr, dass das Ausgangswerk, über »paratexts and supportive intertexts« rezipiert, schließlich »expendable« erscheint.[105]

Auch auf der Ebene konkreter Fics tritt der Paratext, poetisch und poetologisch elaboriert, wie gezeigt gelegentlich an die Stelle der Story. Ein autoreflexives »experi­ment in tags« unternimmt passeridae mit einer »metafiction«, die aus raffiniert kombinierten AO3-Tags eine kompakte Hommage an Fans und Fanfiction komponiert; in allusiv komprimierter Form[106] wird die Problematik der Autorschaft ebenso evoziert wie der Bezug zum Kanon, die Slash-Passion des Genres wie seine Genderdimension. Im Vogelflug streift »dae« – »some kind of bird«, (de-)‌präzisiert das AO3-Profil (21.11.2015) – Fragen ästhetischer wie gesellschaftlicher Wertung, aber auch die Selbstauslieferung an die Dynamik des Textes, die Freuden des Fix-it wie die Vorzüge eines Formats, das auch dem amateurliterarischen Experiment (»too meta«?) unausschreibbaren Raum bietet:

»Metafiction, of a sort, How Do I Tag, is surprisingly common, as a tag itself, which does indicate something […] however, I did let this piece, be guided by, Words, Which I then autocompleted […] The Author Regrets Nothing, except perhaps, The Author Regrets Everything, The Author – Freeform, is however not a tag, unless they regret, I suspect this says something, about society’s concepts, of fan fiction, as compared to, fiction written by men, Everyone Is Gay, is a great starting point, Everyone Is Alive, Everyone Needs A Hug, these are the things we value, theres a theme here, guess what it is […] If you only read one work by me, perhaps dont make it this one, I mean, you do you, but this is most likely, too meta […] there truly is room in the tags, for this work, which is – Freeform, Not Suitable/Safe For Work, Not Beta Read, Not Canon Compliant, Sorry Not Sorry, Well-Written, that’s debatable, it is definitely written, that much is true, Truth, what even is truth […] in fact, At this stage, I am feeling a little like, James Joyce – Freeform, (surprisingly not a tag), writing ulysses, although I hope, that this work, will be shorter than that one […] This Is Not Going To Go The Way You Think, for now we have, The End« (passeridae: Writing metafiction using tags, AO3, 13.09.2018)

9. »The End«? Provisorische Conclusio

»The End«? Hier startet das Spiel von vorn. Auch passeridaes Meta-Fic beflügelt weitere Fans und wird u.a. im Rahmen der programmatisch betitelten Kollektion »Lower Your Damn Standards: week 1: sloppy creating« als Podfic samt selbstironischem Lamento über diverse selbstbewusst exhibierte technische Defizite adaptiert (olive2pod: Writing metafiction using tags, AO3, 20.04.2020).

Die kollektive Kreativität eines lustvoll exzessiven, radikal antifatalistischen Genres, das, demokratische Schule literarischen Realitäts- und Perspektivenpluralismus, niemals nur eine Wahrheit, eine definitive Version der Geschichte kennt, findet im Online-Dispositiv ihre im Doppelsinn unvollendete, insofern paradox – und provisorisch – perfekte Form. Für sie gäbe es »still no greater joy than creating a tag that’s never been used before«, gesteht Fanlore-Co-Vorsitzende Rebecca Sentance anlässlich des Zehn-Jahres-Jubiläums von AO3;[107] Tag um Tag entfalten sich die postdigitalen Folk Tales[108] der Fanfiction, die immer wieder aufs Neue jenen zugleich auf der Meta-Ebene reflektierten Versuch »to write about writing about writing« (seekingferret: Only the Third Story…, AO3, 12.01.2011) wagt – und so auf ihre Weise »a profound kind of literary criticism«[109] konstituiert.

 

Anmerkungen

[1] Jan Peter Bremer/Nina Bußmann/Mathias Gatza et al.: »Zur digitalen Zukunft unserer Literatur«, Fiktion, 09.2013, http://fiktion.cc/‌deklaration. Alle zitierten Online-Quellen, sofern nicht anders angegeben, zuletzt aufgerufen am 03.01.2023. Übersetzungen von Zitaten aus fremdsprachigen Quellen, sofern nicht anders angegeben, M. S.

[2] Nelly Wolf: Le Peuple à l’écrit. De Flaubert à Virginie Despentes, Paris 2019, S. 30.

[3] Bremer/Bußmann/Gatza et al.: »Zur digitalen Zukunft unserer Literatur«.

[4] Florian Cramer: »Postdigitales Schreiben«, in: Hannes Bajohr (Hg.): Code und Konzept. Literatur und das Digitale, Berlin 2016, S. 27-43, hier S. 33.

[5] Nicolas Gary: »Sondage: les Français ont lu 2,5 livres durant le confinement«, in: ActuaLitté, 11.05.2020, https://actua‌litte.com/‌article/7653/enquetes/‌son‌dage-les-francais-ont-lu-2-5-livres-durant-le-confinement.

[6] Zit. nach Alice Vincent: »Will we ever be ready for the Covid-19 novel?«, Penguin, 06.07.2020, https://‌www.pen‌guin.co.uk/‌articles/2020/07/covid-fiction-pandemic-corona-literature.

[7] Manoj Sharma: »Covid-19 warriors, survivors wield pen as pandemic inspires fiction«, in: Hindustan Times, 02.11.2020, https://‌www.hindustan‌times.com/india-news/covid-19-warriors-survivors-wield-pen-as-pan‌demic-inspires-fiction/‌story-lqfOjzNOyv5‌wkVjeimikZK.html.

[8] Vgl. Raphaël Gariépy: »Édition: une littérature Covid-19 prête à contaminer les librairies«, in: ActuaLitté, 29.05.2020, https://‌actualitte.com/article/7410/‌presse/‌edition-une-litterature-covid-19-prete-a-contaminer-les-librairies2020.

[9] Katherine A. Foss: »How the 1918 Pandemic Got Meme-ified in Jokes, Songs and Poems«, in: Smithsonian Magazine, 31.07.2020, https://www.smithsonian‌mag.com/history/memes-1918-pandemic-180975452.

[10] Richard Saint-Gelais: Fictions transfuges. La transfictionnalité et ses enjeux, Paris 2011, S. 408.

[11] Deniz Çam: »In A Lonely Lockdown, With Books Slow To Come, Fanfiction Booms«, in: Forbes, 21.04.2020, https://‌www.forbes.com/sites/denizcam/2020/04/21/in-a-lonely-lockdown-with-books-slow-to-come-fanfiction-booms.

[12] Johanna Mauermann/Oliver Bendel: »Angriff von unten. Tiefgreifende Veränderungen durch elektronische Literatur«, in: LIBREAS. Library Ideas 20 (2012), https://libreas.eu/ausgabe20/texte/08mauermann_bendel.htm.

[13] Sheenagh Pugh: The Democratic Genre. Fan Fiction in a Literary Context, Bridgend 2005.

[14] Henry Jenkins: Textual Poachers. Television Fans and Participatory Culture, New York/London 1992.

[15] Pugh: The Democratic Genre, Backcover.

[16] Peter Mayr/Lisa Mayr: »Christoph Braendle: ›Im Leiden steckt eine kreative Kraft‹«, in: Der Standard, 28.06.2014, https://‌www.derstandard.at/story/2000002351193/im-leiden-steckt-eine-kreative-kraft.

[17] Piotr Kowalczyk: »15 most popular fanfiction websites to explore«, Ebook Friendly, 08.08.2014, https://‌ebookfriendly.com/fan-fiction-websites.

[18] Çam: »In A Lonely Lockdown«.

[19] Hier und im Folgenden wird terminologisch zwischen Fanfiction (Genre) und Fanfic bzw. Fic (konkreter Fan-Text) differenziert.

[20] Fanfics und Fan-Kommentare werden in Klammern im Text wie folgt referenziert: Pseu­do­nym, Titel (falls relevant), Portal unter Angabe der jeweiligen Sigle, Erstpublikationsdatum. Referenzierte Websites: https://archive‌ofour‌own.org (AO3); https://efp‌fanfic.net (EFP), ursprünglich nach der Webmistress als ›Erika’s Fanfiction Page‹ benannt; https://ficbook.net (Ficbook), russ. Книга Фанфиков; https://www.fanfiction.net (FFN).

[21] Cathy Young: »The Fan Fiction Phenomena. What Faust, Hamlet, and Xena the Warrior Princess have in common«, in: Reason, 02.2007 (online: 30.01.2007), https://reason.com/2007/01/30/the-fan-fiction-phenomena.

[22] Cecilia Aragon/Katie Davis: Writers in the Secret Garden. Fanfiction, Youth, and New Forms of Mentoring, Cambridge, Mass./London 2019, S. 9.

[23] Julian Ingelmann/Kai Matuszkiewicz: »Autorschafts- und Literaturkonzepte im digitalen Wandel«, in: Zeitschrift für Germanistik NF 27.2 (2017), S. 300-315, hier S. 303, https://www.jstor.org/stable/26583153.

[24] Jenkins: Textual Poachers, S. 26.

[25] Vgl. Martina Stemberger: »Quand Anne Frank triomphe de Hitler. Défis esthétiques et éthiques de la fanfiction contrefactuelle«, in: Cultural Express 7 (2022): Peut-on sauver le passé? Imaginaires et récits contre-factuels, hg. von Isabelle-Rachel Casta, https://cultx-revue.com/article/quand-anne-frank-triomphe-de-hitler-de‌fis-esthetiques-et-ethiques-de-la-fanfiction-contre‌factuelle.

[26] Anne Jamison: Fic. Why Fanfiction Is Taking Over the World, Dallas 2013, S. 13.

[27] »I joined on: 2018‑03-04«, so die lapidare, erst auf den zweiten Blick ganz und gar nicht triviale Information im AO3-Profil von Thamiris, das die komplexe Konfiguration von Autorschaft in der Fanfiction illustriert: Hinter dem Account steht eine treue (Meta-)Fan-Community, die elf Jahre nach dem Tod besagter Fan-Autorin deren Texte in ihrem Namen republiziert und archiviert.

[28] Kristina Busse: »The Return of the Author. Ethos and Identity Politics« (2013), in: dies.: Framing Fan Fiction. Literary and Social Practices in Fan Fiction Communities, Iowa 2017, S. 19-38, hier S. 20, 27.

[29] Cornel Sandvoss: »The Death of the Reader? Literary Theory and the Study of Texts in Popular Culture«, in: Jonathan Gray/Cornel Sandvoss/C. Lee Harrington (Hg.): Fandom. Identities and Communities in a Mediated World, New York/London 2007, S. 19-32, hier S. 28-31.

[30] Jenkins: Textual Poachers, S. 45.

[31] Busse: »The Return of the Author«, S. 36.

[32] Kristina Busse: »Fandom’s Ephemeral Traces. Intertextuality, Performativity, and Intimacy in Fan Fiction Communities«, in: dies.: Framing Fan Fiction, S. 140-156, hier S. 148.

[33] Kristina Busse/Karen Hellekson: »Introduction. Work in Progress«, in: dies. (Hg.): Fan Fiction and Fan Communities in the Age of the Internet, Jefferson, N.C./London 2006, S. 5-32, hier S. 6.

[34] Busse: »Fandom’s Ephemeral Traces«, S. 155.

[35] Stanley Fish: Is There a Text in This Class? The Authority of Interpretive Communities (1980), Cambridge, Mass. u.a. 122003.

[36] Busse: »The Return of the Author«, S. 30.

[37] Jonathan Gray: Watching with The Simpsons. Television, Parody, and Intertextuality, New York/London 2006, S. 19.

[38] Sylvain Auroux: Barbarie et philosophie, Paris 1990, S. 78.

[39] Vgl. Ulrich Broich: »Formen der Markierung von Intertextualität«, in: ders./Manfred Pfister (Hg.): Intertextualität. Formen, Funktionen, anglistische Fallstudien, Tübingen 1985, S. 31-47.

[40] Kristina Busse: »Intense Intertextuality. Derivative Works in Context«, Konferenz »Media in Transition« 27.-29.04.2007, zit. nach Catherine Tosenberger: »Mature Poets Steal. Children’s Literature and the Unpublishability of Fanfiction«, in: Children’s Literature Association Quarterly 39.1 (2014), S. 4-27, hier S. 13f., https://doi.org/‌10.1353/chq.2014.0010.

[41] Kristina Busse: »May the Force Be With You. Fan Negotiations of Authority«, in: dies.: Framing Fan Fiction, S. 99-120, hier S. 107.

[42] Linda Hutcheon: A Theory of Adaptation, New York/London 2006, S. 172.

[43] Cramer: »Postdigitales Schreiben«, S. 33.

[44] Tosenberger: »Mature Poets Steal«, S. 4.

[45] Ebd., S. 5.

[46] Abigail De Kosnik: »Fifty Shades and the Archive of Women’s Culture«, in: Cinema Journal 54.3 (2015), S. 116-125, hier S. 122, https://www.jstor.org/stable/43653439.

[47] Francesca Coppa: »Writing Bodies in Space. Media Fan Fiction as Theatrical Performance«, in: Karen Hellekson/‌Kristina Busse (Hg.): Fan Fiction and Fan Communities in the Age of the Internet, Jefferson, N.C./‌London 2006, S. 225-244, hier S. 239.

[48] Ebd.

[49] Vgl. Martina Stemberger: Homer meets Harry Potter. Fanfiction zwischen Klassik und Populärkultur, Tübingen 2021, S. 10-12.

[50] Die Renaissance kunstvoller Printprodukte, ihrerseits »Zeichen eines postdigitalen Medienzeitalters« (Cramer: »Postdigitales Schreiben«, S. 30f.), geht auch an der Fankultur nicht spurlos vorüber. In Bezug auf China konstatiert Xiqing Zheng bereits 2013 eine Trendwende hin zu immer populäreren »fanzines and fan books in printed forms«. Henry Jen­kins: »The Cultural Context of Chinese Fan Culture. An Interview with Xiqing Zheng (Part Two)«, Pop Junctions, 04.02.2013, http://henryjenkins.org/‌blog/‌2013/‌02/the-cultural-context-of-chinese-fan-culture-an-interview-with-xiqing-zheng-part-two.html. Angesichts wiederholter Repression gegen Slashfic-Autor:innen erfüllen analoge Formate nicht nur eine ästhetische, sondern zum Teil auch eine politische (Schutz-)‌Funktion; Ende Februar 2020 wird der Internetzugriff auf AO3 in China blockiert. Vgl. Aja Romano: »China has censored the Archive of Our Own, one of the internet’s largest fanfiction websites«, Vox, 01.03.2020, https://www.vox.com/‌2020/3/1/21159275/china-ao3-archive-of-our-own-banned-censorship. Die westliche Kritik an der Zensur in China war und ist allerdings von einer gewissen Hypokrisie geprägt, wie nach Australien und Kanada (vgl. Stemberger: Homer meets Harry Potter, S. 14f.) jüngst auch das Beispiel Deutschland zeigt: Die im Dezember 2022 erfolgte Indizierung von AO3 durch die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz wurde am 10. Januar 2023 wegen Formfehlern vorläufig aufgehoben, steht aber nach wie vor im Raum. Vgl. Ingo Dachwitz: »Prüfstelle muss Indizierung von Fan-Fiction-Portal zurücknehmen«, netzpolitik.org, 12.01.2023, https://netzpolitik.org/2023/bundeszentrale-jugendmedienschutz-archive-of-our-own-‌pruef‌stelle-muss-indizierung-von-fan-fiction-portal-zuruecknehmen (aufgerufen am 13.01.2023).

[51] Abigail Derecho: »Archontic Literature. A Definition, a History, and Several Theories of Fan Fiction«, in: Karen Hellekson/‌Kristina Busse (Hg.): Fan Fiction and Fan Communities in the Age of the Internet, Jefferson, N.C./‌London 2006, S. 61-78.

[52] Zu einer »virus theory of fandom« vgl. Constance Penley: »Brownian Motion. Women, Tactics, and Technology«, in: dies./Andrew Ross (Hg.): Technoculture (1991), Minneapolis 31997, S. 135-161, hier S. 143f.

[53] Abigail De Kosnik in Henry Jenkins: »Why Study Fan Archives. An Interview with Abigail De Kosnik (Part One)«, Pop Junctions, 04.10.2016, http://henryjenkins.org/blog/2016/10/why-study-fan-archives-an-interview-with-abigail-de-kosnik-part-one.html.

[54] Aragon/Davis: Writers in the Secret Garden, S. 72.

[55] Henry Jenkins/Xiaochang Li/Ana Domb Krauskopf et al.: »If It Doesn’t Spread, It’s Dead (Part Three). The Gift Economy and Commodity Culture«, Pop Junctions, 16.02.2009, http://henryjenkins.org/2009/02/‌if_it_doesnt_spread_its_dead_p_2.html.

[56] Für eine prononcierte, pragmatisch wie poetologisch reflektierte Non-Profit-Position steht vor allem die seit 2007 aktive, auf Freiwilligen- und Spendenbasis operierende Organi­zation for Transformative Works (OTW), Betreiberin u.a. des Wikis Fanlore und des zitierten Archive of Our Own, das sich im letzten Jahrzehnt als am stärksten wachsendes Portal zusehends zum zentralen »powerhouse« der internationalen Fanfiction entwickelt. Jay Castello: »Archive of Our Own’s 15-year journey from blog post to fanfiction powerhouse«, The Verge, 15.08.2022, https://‌www.theverge.com/2022/8/15/23200176/history-of-ao3-archive-of-our-own-fanfiction. AO3 präsentiert sich als »fan-created, fan-run, nonprofit, noncommercial archive for transformative fanworks« (https://archive‌of‌our‌own.org): Jeder einzelne dieser Aspekte ist für das Selbstverständnis der Community wie die Abgrenzung des Genres relevant. Symptomatisch auch die Vorgeschichte des unter transparenter Allusion auf Virginia Woolfs A Room of One’s Own benannten (und signifikant pluralisierten) Archive, das aus dem Widerstand gegen einen kommerziellen Rekuperationsversuch hervorgeht. Vgl. dazu Stemberger: Homer meets Harry Potter, S. 44f.

[57] Coppa: »Writing Bodies in Space«, S. 228.

[58] In dieser Hinsicht sei die Erfolgsgeschichte des Archive of Our Own kein »triumph of amateurism«, betont Gründungsmitglied und damalige Designchefin Michele Tepper, sondern »a triumph of professionals having the opportunity to do it right«. Zit. nach Castello: »Archive of Our Own’s 15-year journey«.

[59] Florian Cramer: »What Is ›Post-Digital‹?«, in: APRJA 3.1 (2014), S. 11-24, hier S. 17, https://doi.org/10.7146/aprja.v3i1.116068.

[60] Ebd., S. 21.

[61] Vgl. Stemberger: Homer meets Harry Potter, S. 46.

[62] Sowohl das 1999 gegründete Fanfic Symposium (https://trickster.org/symposium) als auch metafandom (eröffnet 2005, https://‌metafandom.livejournal.com) sind nach wie vor online zugänglich, werden jedoch seit 2006 resp. 2011 nicht mehr aktualisiert.

[63] Natal’ja Samutina: »Praktiki ėmocional’nogo čtenija i ljubitel’skaja literatura (fanfikšn)«, in: NLO 1 (2017), https://magazines.‌gorky.media/nlo/2017/1/praktiki-emoczionalnogo-chteniya-i-lyubitelskaya-literatura.html.

[64] Coppa: »Writing Bodies in Space«, S. 240.

[65] Die Existenz einer entsprechenden »Meta-Aktivität« bzw. »Meta-Position« als wichtiges Kriterium für die Definition eines Fandoms, aber auch deren »besonderes politisches Potenzial« aus weiblicher Sicht diskutieren z.B. die Mitglieder der LiveJournal-Community metafandom-ru: »Fandom, poznajuščij sebja. Diskussija o gendere, psichologii, digital’nosti i pročem«, in: Digital Icons. Studies in Russian, Eurasian and Central European New Media 10 (2013): Digital Fandom and Media Convergence, hg. von Sudha Rajagopalan/Ksenia Prasolova, S. 85-109, hier S. 89, 97, 99 (Kommentare: blades_of_grass, xamurra), https://www.digitalicons.org/‌issue10/‌digital-memoirs-1.

[66] Coppa: »Writing Bodies in Space«, S. 243.

[67] »Meta«, Fanlore, https://fanlore.org/wiki/Meta.

[68] Shannon K. Farley: »Versions of Homer. Translation, fan fiction, and other transformative rewriting«, in: Transformative Works and Cultures 21 (2016): The Classical Canon and/as Transformative Work, hg. von Ika Willis, Abs. 0.1, https://doi.org/10.3983/‌twc.2016.0673.

[69] Vgl. Stemberger: Homer meets Harry Potter, S. 53.

[70] Constance Penley: Nasa/Trek. Popular Science and Sex in America, London/New York 1997, S. 3.

[71] Eine bezeichnende Episode referiert Meredith Rose: Anlässlich der Verleihung des Hugo Award 2019 fordert die OTW-Delegation alle Mitglieder der AO3-Community im Publikum auf, sich zu erheben und symbolisch den Preis gemeinsam entgegenzunehmen. »In response, a full third of the room of professional authors, editors, artists, journalists, commenters and publishers stood.« Shiva Stella: »Public Knowledge Congratulates Archive of Our Own On Hugo Award for Best Related Work«, Public Knowledge, 19.08.2019, https://public‌knowledge.org/‌public-knowledge-congratulates-archive-of-our-own-on-hugo-award-for-best-related-work.

[72] kouredios: »Dr. SKF«, Twitter (Profil: 05.2007), https://mobile.twitter.com/kouredios.

[73] Vgl. Martina Stemberger: »›The Greatest Fucking Masterpiece Ever Written Ever‹. Homère dans la fanfiction de l’extrême contemporain«, in: Claire Lechevalier/Brigitte Poitrenaud-Lamesi (Hg.): Un besoin d’Homère. De la fin du XXe siècle à aujourd’hui, Villeneuve-d’Ascq 2023, S. 88-98 [im Druck].

[74] Das Kürzel RPF steht für ›Real Person Fiction‹ oder ›Real People Fiction‹, als Subgenre in der Fan-Community selbst kontrovers debattiert und auf manchen Portalen zumindest offiziell nicht mehr oder nur mit Einschränkungen toleriert. So untersagt z.B. FanFiction.net »Stories with non-historical and non-fictional characters: actors, musicians, and etc.« (https://www.fanfiction.net/‌guidelines), während EFP Texte über »Artisti musicali« und »Attori« außerhalb Italiens akzeptiert und sein eigenes Regelwerk für »Fanfic su celebrità« sowie »Fanfic su personaggi storici« formuliert (https://efpfanfic.net/regolamento.php).

[75] Harold Bloom: The Anxiety of Influence. A Theory of Poetry, New York 1973.

[76] »I want translations with copious footnotes, footnotes reaching up like skyscrapers to the top of this or that page so as to leave only the gleam of one textual line between commentary and eternity«, so die ikonische Passage in Vladimir Nabokov: »Problems of Translation. Onegin in English« (1955), in: Rainer Schulte/John Biguenet (Hg.): Theories of Translation. An Anthology of Essays from Dryden to Derrida, Chicago/London 1992, S. 127-143, hier S. 143.

[77] Kristina Busse: »Fan Fiction Tropes as Literary and Cultural Practices«, in: Sebastian Böck/Julian Ingelmann/‌Kai Matuszkiewicz et al. (Hg.): Lesen X.0. Rezeptionsprozesse in der digitalen Gegenwart, Göttingen 2017, S. 127-143, hier S. 127.

[78] »Just an alias, so I can indulge in my darker and more pornographic fantasies without compromising my good fandom name«, erklärt DarkTwin in ihrem Profil (AO3, 11.02.2015).

[79] Vgl. Stemberger: Homer meets Harry Potter, S. 28f.

[80] Johnathan H. Pope: Shakespeare’s Fans. Adapting the Bard in the Age of Media Fandom, Cham 2020, S. 7.

[81] ›Multifandom‹ bezieht sich auf »multiple individual fandoms«, ›Pan-Fandom‹ auf »media fandom overall, in a meta sense«, unter Fokus auf besagte »meta aspects«. »Pan-fandom«, Fanlore, https://fanlore.org/‌wiki/Pan-fandom.

[82] Vgl. Matt Hills: »›Twilight‹ Fans Represented in Commercial Paratexts and Inter-Fandoms. Resisting and Repurposing Negative Fan Stereotypes«, in: Anne Morey (Hg.): Genre, Reception, and Adaptation in the »Twilight« Series, Farnham/‌Burlington, Vt. 2012, S. 113-129.

[83] Mary Sue – ursprünglich aus dem Star Trek-Fandom, konkret Paula Smiths Parodie A Trekkie’s Tale (1973) – steht für den Typus der idealisierten Superheldin, die im Rahmen naiver Self-Inserts vor allem die Produktion jugendlicher Debütantinnen heimsucht. Aus feministischer Perspektive kritisch diskutiert wird die Frage, warum Mary Sue so viel mehr Häme auf sich zieht als ihr männliches Pendant Gary Stu bzw. Marty Stu.

[84] Aja Romano: »The Archive of Our Own just won a Hugo. That’s huge for fanfiction«, Vox, 19.08.2019, https://www.vox.com/‌2019/4/11/18292419/archive-of-our-own-wins-hugo-award-best-related-work.

[85] Vgl. Grossmans Charakteristik der Fanfic-Kultur als »hyperdiverse«: »You’ll find every race, nationality, ethnicity, language, religion, age and sexual orientation represented there, both as writers and as characters.« Lev Grossman: »The Boy Who Lived Forever«, in: Time, 07.07.2011, https://content.time.com/time/arts/article/‌0,85‌99,‌2081784,00.html. Zur zum Teil kontrovers geführten Diskussion um Fandom und ethnokulturelle Identität vgl. Mel Stanfill: »The Unbearable Whiteness of Fandom and Fan Studies«, in: Paul Booth (Hg.): A Companion to Media Fandom and Fan Studies, Newark 2018, S. 305-317; Rukmini Pande: Squee from the Margins. Fandom and Race, Iowa 2018.

[86] Weiteren poetologischen »craaaaaaaaaaack« samt »abstract concepts anthropomorphized« liefert die Fortsetzung, mit der Adressatin skripka sich bei ihrem Co-Fan revanchiert (The Corruption of Canon, part two, AO3, 28.02.2019).

[87] Pope: Shakespeare’s Fans, S. 10f., 126.

[88] Francesca Coppa: The Fanfiction Reader. Folk Tales for the Digital Age, Ann Arbor 2017, S. 6.

[89] Busse: »Fandom’s Ephemeral Traces«, S. 146.

[90] Tristan Jung: »War and Peace Fanfiction. A Brief History«, Forget the Protocol, 12.08.2019, https://forget‌theprotocol.com/‌blog/‌war-and-peace-fan-fiction-overview-humor.

[91] Zit. nach Aragon/Davis: Writers in the Secret Garden, S. 52.

[92] Ahuvia Kahane: »Fan fiction, early Greece, and the historicity of canon«, in: Transformative Works and Cultures 21 (2016): The Classical Canon and/as Transformative Work, hg. von Ika Willis, Abs. 1.1, https://‌doi.org/10.3983/‌twc.2016.0681.

[93] Auch diese auf AO3 aktive Autorin bietet ein exzellentes Beispiel für die Komplexität der Konstruktion auktorialer Identitäten in der Online-Fanfiction: Während sich vergilia_43 (Profil: 04.04.2020) für das »nsfw«-Segment verantwortlich zeichnet, betreut ihr an der intertextualisierten »seacoast of bohemia« hausendes Alter Ego sappho_42 (Profil: 21.07.2016) den komplementären »sfw account«.

[94] Graham Holderness: »Shakespeare and the Undead«, in: Valerie M. Fazel/Louise Geddes (Hg.): The Shakespeare User. Critical and Creative Appropriations in a Networked Culture, Cham 2017, S. 207-228, hier S. 225f., zit. nach Pope: Shakespeare’s Fans, S. 17.

[95] Monica Heisey: »Writing Fan Fiction with Margaret Atwood«, in: Hazlitt Magazine, 14.10.2016, https://haz‌litt.net/‌feature/writing-fan-fiction-margaret-atwood.

[96] Ein Test mit der Plagiatscheck-Software Turnitin ergibt einen »similarity index« von 89% zwischen der Ausgangsfic Master of the Universe und den fertigen Fifty Shades. Jane Litte: »Master of the Universe versus Fifty Shades by E.L James Comparison«, Dear Author, 13.03.2012, https://dearauthor.com/features/industry-news/master-of-the-universe-versus-fifty-shades-by-e-l-james-comparison.

[97] Bethan Jones: »›If Even One Person Gets Hurt Because of Those Books, That’s Too Many‹. Fifty Shades Anti-Fandom, Lived Experience, and the Role of the Subcultural Gatekeeper«, in: Melissa A. Click (Hg.): Anti-Fandom. Dislike and Hate in the Digital Age, New York 2019, S. 271-290.

[98] Mel Stanfill: »The Fan Fiction Gold Rush, Generational Turnover, and the Battle for Fandom’s Soul«, in: Melissa A. Click/‌Suzanne Scott (Hg.): The Routledge Companion to Media Fandom, New York/London 2018, S. 77-85.

[99] Emily Eakin: »Grey Area. How ›Fifty Shades‹ Dominated the Market«, in: The New York Review, 27.07.2012, https://‌www.ny‌books.com/online/2012/07/27/seduction-and-betrayal-twilight-fifty-shades.

[100] Bethan Jones: »Fifty shades of exploitation. Fan labor and Fifty Shades of Grey«, in: Transformative Works and Cultures 15 (2014): Fandom and/as labor, hg. von Mel Stanfill/Megan Condis, https://doi.org/‌10.3983/‌twc.2014.0501.

[101] Choderlos de Laclos: Les Liaisons dangereuses (1782), Paris 1996, S. 404-406 (Lettres 141 und 142).

[102] Vgl. z.B. die brasilianische Miniserie Ligações Perigosas (2016), die südkoreanische TV-Serie The Great Seducer (engl. Version: Tempted, 2018) und zuletzt Rachel Suissas Liaisons dangereuses (2022) auf Netflix.

[103] Vgl. Gérard Genette: Paratexte. Das Buch vom Beiwerk des Buches, übers. von Dieter Hornig, Frankfurt a.M. 62016 (frz. 1987).

[104] Sandvoss: »The Death of the Reader?«, S. 23.

[105] Gray: Watching with The Simpsons, S. 37.

[106] Zum Gebrauch spezifischer »compression and allusion techniques« in der Fanfiction vgl. Mafalda Stasi: »The Toy Soldiers from Leeds. The Slash Palimpsest«, in: Karen Hellekson/Kristina Busse (Hg.): Fan Fiction and Fan Communities in the Age of the Internet, Jefferson, N.C./London 2006, S. 115-133, hier S. 115.

[107] »Ten Years of AO3: Rebecca Sentance«, Organization for Transformative Works, 11.11.2019, https://‌www.trans‌formative‌works.org/ten-years-of-ao3-rebecca-sentance. Zur Chronologie der AO3-Eröffnung vgl. »Archive of Our Own«, Fanlore, https://‌fanlore.org/wiki/Archive_of_Our_Own.

[108] Vgl. Coppa: The Fanfiction Reader.

[109] Francesca Coppa in Shelley Drozd: »Practicing the Art of the Remix«, Muhlenberg College, 16.04.2018, https://‌www.muhlen‌berg.edu/news/2018/practicingtheartoftheremix.html.

 

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